< sz-online: Neonazis mit Palästinensertuch - Klei...

Früher war es einfach. Neonazis trugen Springerstiefel, die Antifa das Palästinensertuch. Heute kann es umgekehrt sein. Ein Teil der rechten Szene greift ganz bewusst auf Kennzeichen der linken Gegner zurück, wie auch auf der NPD- Demonstration am 1. Mai in Berlin zu sehen war.
Die Gesinnung ist längst nicht immer an der Garderobe zu erkennen. Firmen, die zu Unrecht als Nazi-Marken gelten, sind froh über diesen Wandel. Das Palästinensertuch tragen Neonazis zum Beispiel, um ihren Antisemitismus auszudrücken, berichtet Birgit Jagusch, Referentin beim Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit in Düsseldorf. Einige Rechte geben sich bewusst „brav und bieder“ in Jeans und Jackett, andere bleiben bei der martialischen Bomberjacke. Es geht um die Frage, ob man sich abgrenzen oder integrieren soll. „Das ist noch nicht entschieden“, sagt Jagusch. Sie hat bei Rechten manche Anleihen aus der linken Szene beobachtet, beispielsweise Rosa- Luxemburg-Zitate oder sogar Musik der legendären alternativen Band Ton, Steine, Scherben. Für Jagusch sind das Versuche, in den gesellschaftlichen Mainstream zu gelangen.
In punkto Garderobe hat sich einiges getan: Die „taz“ spricht bereits von „des Neonazis neuen Kleidern“. „Man sollte genau hingucken“, meint Henning Flad, Politikwissenschaftler an der Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), der sich intensiv mit den Kleidercodes befasst hat. „Auf keinen Fall ist jeder Jugendliche, der Lonsdale trägt, als Neonazi abzustempeln“. Früher war die britische Traditionsfirma in der rechten Szene beliebt, weil bei aufgeknöpfter Jacke „NSDA“ zu lesen war. Heute gilt ein anderes Label in der Szene als beliebter: Consdaple – der Mittelteil ergibt auf der Brust: „NSDAP“. Auch T-Shirts mit Bandnamen wie Landser oder Screwdriver gehören laut Flad ins rechte Milieu.

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