junge welt vom 15.05.2004 – Spitzeldeal mit Sprengstoff

Spanien: Verwicklungen von Guardia Civil und Polizei in die Madrider Anschläge vom 11. März

Was von Beginn an faul gerochen hat, könnte sich zu einem Skandal für die spanischen Sicherheitskräfte ausweiten. Zwei der nach den Anschlägen vom 11. März Verhafteten waren Spitzel der Guardia Civil und der Nationalpolizei. Sie sollen aber nur im »Drogenbereich« beschäftigt worden sein, bestätigten jetzt sowohl die Guardia Civil als auch die Nationalpolizei der Zeitung El País. Der Spitzel der Nationalpolizei war der 27jährige Ex-Minenarbeiter José Emilio Suárez Trashorras, der am 18. März verhaftet wurde. Er soll gestanden haben, den Sprengstoff Goma 2 ECO gestohlen und für 7 000 Euro und eine unbestimmte Menge Haschisch an die islamischen Fundamentalisten verkauft zu haben. Wie El País am Donnerstag weiter berichtete, sollen die mutmaßlichen Attentäter nur eine Woche vor den Anschlägen erneut einen Deal mit 30 Kilogramm Haschisch durchgeführt haben. Die Drogengeschäfte hätten zur Finanzierung der Terrorzelle gedient. Auch der am 20. März verhaftete Marokkaner Rafael Zuheir war Spitzel. Er stand in Diensten der Guardia Civil. Der Exdrogendealer hat vermutlich vor dem 11. März seinen Auftraggebern über den Sprengstoffdeal berichtet. Das Goma 2 sei angeblich für eine Mine in Marokko bestimmt gewesen. Glaubwürdig klingt das nicht. Warum sollte eine marokkanische Mine in Spanien illegal Sprengstoff kaufen und dann nach Marokko schmuggeln? Die Guardia Civil bestreitet, im Vorfeld davon gewußt zu haben – was sie auch muß, weil sonst der Skandal komplett wäre. Jedenfalls hat der Guardia Civil-Spitzel den Kontakt zwischen dem Spitzel der Nationalpolizei und den mutmaßlichen Attentätern hergestellt. Suárez soll dann Jamal Zougam, einem der Hauptbeschuldigten der Anschläge, das Goma 2 verkauft haben.

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