Wurzener Wandlungen

Jungle World ··· 24/2007 Provinz ··· Wurzener Wandlungen
Seit die Ausschreitungen in Wurzen bei einem Fußballspiel am »Herrentag« überregional bekannt wurden, sind die Verantwortlichen plötzlich sehr einsichtig
Im sächsischen Wurzen sind derzeit erstaunliche Metamorphosen zu beobachten. Am »Herrentag« hatten dort knapp 30 junge Zuschauer ein Jugendfußballspiel des heimischen ATSV Frisch Auf in eine rechtsextreme Kundgebung verwandelt (Jungle World, 22/07). Beim Wurzener Club bestritt man jedoch lange Zeit vehement, dass antisemitische und rassistische Parolen gerufen und die Schiedsrichter sowie die Gäste aus Chemnitz bedroht wurden. Der Vereinspräsident Heiko Wandel war sich vielmehr sicher, dass die Schiedsrichterin ihren Zusatzbericht frei erfunden habe und die Zuschauer, darunter eine Reihe von Spielern anderer Jugendteams des Vereins, die Jungfußballer nur anfeuern wollten.
Doch diese Version ließ sich nicht halten. »Der Ver­ein übernimmt die Verantwortung für die Geschehnisse und räumt zugleich ein, sowohl am Tag des Vor­falls als auch in der Aufarbeitung der Vorkommnisse nicht angemessen auf die Situation reagiert zu haben«, heißt es inzwischen in einer Erklärung des Clubs. »Insbesondere bedauern wir den in der Öffentlichkeit entstandenen Eindruck, dass der Verein die Geschehnisse verharmlose und die Aufklärung blockiere.« Man entschuldige sich daher bei Fortuna Chemnitz, dem Schiedsrichter-Trio, den zuständigen Fußballverbänden sowie »allen Fußballspielern und Anhängern dieses Sports«.
Vor allem drei Gründe dürften den Ausschlag für diese Kehrtwende gegeben haben: erstens die Ermittlungen der Polizei, die gegen fünf mutmaßliche Rädelsführer Verfahren einleitete, zweitens die Recherchen lokaler wie überregionaler Medien und drittens die Entscheidung eines Sponsors, seine Zuwendungen vorläufig einzufrieren.

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