Katz-und-Maus-Spiel um den Schotter

Sie belauern sich, planen minutiös, ziehen in die Wälder des Wendlands. Castor-Gegner stürmen an die Bahnstrecke, sie wollen den Schotter aus dem Gleisbett holen, um den Atommülltransport aufzuhalten. Ihnen gegenüber steht eine Armee von Polizisten – die rabiat gegen die Aktivisten vorgeht. Nach mehr als drei Stunden ist das Ziel ganz nah. Als die Gruppe “blauer Finger” aus dem Wald schleicht, haben die rund 300 Castor-Gegner die Transport-Strecke genau vor sich. Und das Beste: Das Gleisbett liegt keine 500 Meter entfernt, nahezu unbewacht. Zumindest scheint es so. Dann nähert sich der erste Polizeitransporter von rechts. Es ist das Finale eines stundenlangen Versteckspiels in den Wäldern des Wendlands – und es geht um Sekunden. Die Castor-Schotterer stürmen los.Am Morgen wurden Akteure und Journalisten auf die Aktionen dieses Tages eingestimmt, es war gerade einmal hell in Metzingen. Das Widerstandscamp hat eine unruhige Nacht hinter sich. Wasserwerfer waren kurz vor Mitternacht in den Ort gerollt, Räumfahrzeuge hatten Barrikaden zerstört; die Polizei habe sich “vollkommen irrsinnig verhalten”. So schildert es ein junger Camp-Bewohner. Nun stehen schon wieder Dutzende Einsatzfahrzeuge vor der Zufahrt. Die Polizei weiß genau, was an ansteht: Hunderte Männer und Frauen werden versuchen, an die Gleise der Castor-Strecke zu gelangen. Dort wollen sie “Schottern”, also Steine von den Trassen entfernen. Sind die Schienen erst einmal unterhöhlt, kann kein Zug mehr passieren. Es ist eine äußerst effektive Methode, den Transport der Atommüll-Behälter stundenlang aufzuhalten.

via spiegel.de: Katz-und-Maus-Spiel um den Schotter

siehe auch: Mehr als 1000 Menschen besetzen Gleise auf Castor-Strecke. Update Mehr als 1000 Atomkraftgegner haben am Samstag vor der Ankunft des Castor-Zugs mit Atommüll die Bahnstrecke im Wendland blockiert. Zehntausende beteiligten an einer friedlichen Anti-Castor-Kundgebung in Dannenberg. Die Demonstranten setzten sich auf die Schienen, ein großes Polizeiaufgebot postierte sich an der Strecke. Die Blockierer wollen den Castor-Transport mit Atommüll nach Gorleben mit den elf Atommüll-Behältern so lange wie möglich aufhalten. Die Anti-Atom-Initiative „Widersetzen“ sprach von 2000 Menschen bei der Sitzblockade, die Polizei sprach von 1200 und einem raschen Zulauf. Im vergangenen Jahr hatten die Atomkraftgegner 20 Stunden auf den Gleisen bei Harlingen ausgeharrt, die Räumung durch die Polizei dauerte rund sechs Stunden.

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