Faschisten als Vorbilder

Die Regierung der Krim warnt vor rechtsextremen Kräften in Kiew und treibt die Unabhängigkeit voran. Wie nationalistisch und korrupt sind die neuen Machthaber in der Ukraine wirklich? Wer hat die ukrainische Revolution zum Sieg geführt? Und wer sind die neuen starken Frauen und Männer in der Übergangsregierung? Geht es nach dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem abgesetzten ukrainischen Staatschef Viktor Janukowitsch, so haben „faschistische Gruppen die Macht ergriffen“. Glaubt man dagegen westlichen Politikern, so kann von einer rechten Unterwanderung des „Euro-Maidan“ keine Rede sein. „Die Opposition will sich der europäischen Wertegemeinschaft anschließen – demokratisch und frei von Korruption“, behauptet der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski. Tatsächlich gehören zu den neuen Machthabern in Kiew nicht nur enge Vertraute der früheren Regierungschefin Julia Timoschenko, sondern auch Repräsentanten nationalistischer Gruppierungen, etwa des bereits berühmt-berüchtigten Rechten Sektors. Timoschenko war in den 90er Jahren als „Gasprinzessin“ auf zwielichtige Weise zu einem Milliardenvermögen gelangt. Männer wie Übergangspräsident Oleksandr Turtschinow und Interimspremier Arseni Jazenjuk sind enge Vertraute der ehemaligen Oligarchin. Eingerahmt werden die Timoschenko-Leute von der handzahmen Udar-Partei des ehemaligen Box-Weltmeisters Vitali Klitschko und von Nationalisten. Deren bekanntestes Gesicht ist (noch) der neue Vize-Premier Oleg Tjagnibok, der Chef der Partei Swoboda (Freiheit). „Wir sind nicht rassistisch, sondern proukrainisch“, beteuert er in seiner neuen Funktion. In Wirklichkeit hat die Swoboda sehr wohl rechtsextreme Wurzeln. Sie beruft sich wie viele Nationalisten in der Ukraine auf den antisowjetischen Freiheitskämpfer Stepan Bandera, der in den späten 1930er Jahren gemeinsame Sache mit der deutschen Wehrmacht und den Nazis machte. Bandera formte damals nach faschistischen Vorbildern die Partisanenarmee UPA, die sich aktiv an der Judenvernichtung in der Westukraine beteiligte. Dort war die Swoboda-Partei in den vergangenen Jahren bei Wahlen enorm erfolgreich. (…) Dennoch sind Tjagnibok und seine Swoboda die vermutlich harmlosesten Vertreter der nationalistischen Rechten in der Ukraine. Es waren die Anführer des Rechten Sektors, Dmitri Jarosch, und des Kampfverbandes Samoobrona (Selbstverteidigung), Andri Parubi, die in den Kiewer Schicksalstagen Ende Februar den Sturz von Präsident Janukowitsch durchsetzten. Als die EU-Außenminister Sikorski, Frank-Walter Steinmeier und Laurent Fabius mit Janukowitsch, Klitschko, Jazeniuk und Tjagnibok einen geordneten Machtwechsel ausgehandelt hatten, stürmten sie auf dem Maidan an die Mikrofone und initiierten den gewaltsamen Umsturz. Inzwischen gehören Parubi und Jarosch als Generalsekretär und Vize-Chef dem Nationalen Sicherheitsrat der neuen Regierung an.

via fr: Faschisten als Vorbilder

Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *