NSU-Prozess: Der Schalldämpfer wurde mitbestellt

Irgendwann in den Jahren 1999 und 2000 verkaufte Andreas S., der in der Jenaer Wagnergasse ein Geschäft für Neonazi-Klamotten betrieb, eine Waffe vom Typ Ceska 83. Der Kunde war Carsten S., den er aus der rechtsextremen Szene kannte. Irgendwann in den Jahren 1999 und 2000 verkaufte Andreas S., der in der Jenaer Wagnergasse ein Geschäft für Neonazi-Klamotten betrieb, eine Waffe vom Typ Ceska 83. Der Kunde war Carsten S., den er aus der rechtsextremen Szene kannte. Der Preis betrug 2500 D-Mark, die Pistole wurde in einem Auto übergeben. Später brachte Carsten S. die Pistole nach Chemnitz und übergab sie an Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die damit mutmaßlich neun Menschen ermordeten. So steht es in der Anklageschrift, und so hat es Carsten S., der in München zu den Mitangeklagten Beate Zschäpes gehört, vor Gericht bestätigt. Doch alle anderen, die an dem Waffengeschäft beteiligt gewesen sein sollen, wollen nichts dazu sagen: nicht der Angeklagte Ralf Wohlleben, der seit Jahren schweigt, nicht Enrico T., der am Dienstag dieser Woche die Aussage verweigerte und auch nicht Andreas S., sich ebenfalls auf das Zeugnisverweigerungsrecht beruft, um sich nicht selbst belasten zu müssen. Also sitzt am Mittwoch, dem 95. Verhandlungstag, der Kriminalbeamte Jörn-Tassilo B. hinter dem Zeugentisch. Er war an einem Wintertag vor gut zwei Jahren dabei, als Andreas S. in einem Vernehmungszimmer der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe verhört wurde. Nun geht der Vorsitzende Richter Manfred Götzl mit ihm Seite für Seite des damaligen Vernehmungsprotokolls durch, um die Aussagen für ein späteres Urteil verwerten zu können. Denn die Aussage des Waffenverkäufers ist zentral in der Hauptverhandlung. Andreas S. hatte gegenüber der Bundesanwaltschaft nach einigem Hin und Her zugegeben, dass die Pistole explizit und “definitiv” mit Schalldämpfer angefordert wurde. “Ich liefere doch nicht mehr als ich liefern muss”, erklärte der Neonazi laut Protokoll. Der Angeklagte Carsten S. behauptet dagegen, er habe nur die einzelne Waffe geordert. Eine Waffe mit einem extra bestellten Schalldämpfer: Dies ist für die Anklagebehörde ein entscheidendes Indiz dafür, dass die Waffe besorgt wurde, um damit Menschen möglichst professionell zu exekutieren.

via tlz: NSU-Prozess: Der Schalldämpfer wurde mitbestellt

siehe auch: 95. Verhandlungstag, 19.3.2014 Kein guter Tag für Carsten S.. Die Ceska-Pistole, mit der die NSU-Terroristen wohl neun Menschen ermordeten, wurde laut einem Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) mit Schalldämpfer bestellt. Diese Aussage vor dem Oberlandesgericht München könnte den Angeklagten Carsten S. belasten. (…) Carsten S. hat zugegeben, dass er die Waffe im rechten Jenaer Szeneladen “Madley” gekauft hatte – nach seiner Aussage im Auftrag des ebenfalls angeklagten Ex-NPD-Funktionärs Ralf Wohlleben. Der “Madley”-Verkäufer Andreas Sch. hatte in der Vernehmung im Ermittlungsverfahren zugegeben, eine Pistole mit Schalldämpfer verkauft zu haben. Als Käufer identifizierte er Carsten S. In seiner Vernehmung sagte er: “Es war definitiv so, dass die einen Schalldämpfer bestellt haben. Ich liefere doch nicht mehr, als ich liefern muss.”

Dossier Rechtsterrorismus / articles about right-wing terrorism: Nationalsozialistischer Untergrund – Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe. Polizistinnenmord, Rohrbombe, Thüringer Heimatschutz (THS) – Dossier: Kategorie NSU – http://bit.ly/ths-nsu

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