“Judenschweine bekämpfen”: Aufruf oder Nacherzählung?

Aufgrund von Hinweisen unserer Zuschauer haben wir uns das in unserem Film (bei Minute 4:40) gezeigte Zitat von Oleh Tjahnibok von 2004 erneut mit mehreren ukrainischen Muttersprachlern angeschaut. Strittig war, ob Tjahnibok 2004 ukrainische Freiheitskämpfer dazu aufrief, “Judenschweine zu bekämpfen” (wie in unserer Übersetzung), oder ob er bloß nacherzählte, was vor 60 Jahren geschah. Das Ergebnis: Auch wenn das Zitat im Kontext klar als Aufruf gemeint ist, verkennt unsere Übersetzung doch das rhetorische Geschick von Tjahnibok und ist an der Stelle falsch. Dies hat uns dazu veranlasst, eine neue Version der Übersetzung online zu stellen und die Übersetzung im Film zu verändern. Die neue Übersetzung wird im Sprechertext wie folgt eingeleitet: “…2004 rief er (Tjahnibok) zum Freiheitskampf auf nach dem Vorbild der Bandera-Kämpfer”. Daraufhin folgt das neu übersetzte Zitat: “Sie hängten sich Gewehre um den Hals und gingen in die Wälder. Sie kämpften gegen Russen und Deutschen, gegen Judenschweine und sonstiges Gesindel, welches uns den ukrainischen Staat wegnehmen wollte! Man muss endlich die Ukraine den Ukrainern geben!” (…) Aus dem Kontext ist darum nach unserer Sicht folgerichtig, dass er die Bandera-Kämpfer und deren Taten als Vorbilder für alle heutigen ukrainischen Patrioten preist. Zur Einordnung sei noch gesagt: Im weiteren Verlauf spricht Tjahnibok auch von einer “moskowitisch-jüdischen Mafia”, die die Ukraine regiere. Diese Äußerung zog damala auch ein Strafverfahren nach sich. Dieses Verfahren blieb aber ohne Folgen. Und auf eine Entschuldigung für die unstrittig gebrauchte Formulierung, “Judenschweine und sonstiges Gesindel zu bekämpfen”, wartet die jüdische Gemeinde bis heute

via panorama: “Judenschweine bekämpfen”: Aufruf oder Nacherzählung?

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