Brandstifter auf der NPD-Liste

Unter den Kandidaten der Neonazipartei für die Kommunalwahl tummeln sich Kriminelle. In der Stadt Joachimsthal bewirbt sich Thomas Haberland um ein kommunales Mandat. Etwas bieder lächelt der Mittvierziger auf einem Werbefoto: roter Pulli, dunkelrandige Brille, Kurzhaarschnitt. Die Partei, für die er antritt, ist die NPD. Die Neonazipartei setzt bei ihrem Wahlkampf für den Urnengang am 25. Mai wie so oft auf das Thema innere Sicherheit: Gegen Kriminalität, für Recht und Ordnung wolle man sich einsetzen. Ein Blick in NPD-Texte verrät, dass die NPD das Kriminalitätsthema vor allem rassistisch auflädt: »Ausländer«, »Flüchtlinge«, »Asylmissbrauch« sind für sie die Ursachen eigentlich aller Probleme. Nur: Unter den NPD-Kandidaten tummeln sich selbst allerhand Kriminelle. Thomas Haberland zum Beispiel. 1992 setzte er mit einem Komplizen die jüdische Häftlingsbaracke in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Sachsenhausen in Brand. Das Verbrechen sorgte damals international für Empörung. Später wurde Haberland für seine Brandstiftung zu drei Jahren Haft verurteilt. Vor Gericht erklärte er, dass er sich aus der rechten Szene zurückgezogen habe. (…) Indes deutet nicht nur der Wahlantritt von Haberland auf eine Durchdringung der Partei mit militanten Neonazis hin. In Bad Belzig tritt Pascal Stolle für die NPD an. 1997 war er an einem brutalen Überfall auf Musiker einer Punkband in Pritzwalk beteiligt. Es war ein Wunder, dass die Opfer den Angriff überlebten. Dies ließ sich beim folgenden Gerichtsprozess erahnen. An einer Tatwaffe, einem Baseballschläger, fanden sich 64 Spuren: Hautfetzen, Blut, Dellen. Stolle erhielt eine fünfjährige Haftstrafe. Schon damals hatte Stolle, in dessen Zimmer Nazidevotionalien gefunden wurden, einschlägige Vorstrafen (…) Michel Müller, Kandidat im Havelland, ist verurteilt wegen Beihilfe zu versuchtem Mord: Er war zum Jahreswechsel 1999/2000 an einer Hetzjagd auf pakistanische Flüchtlinge beteiligt. Müller, Jahrgang 1980, erhielt eine mehrjährige Haftstrafe. Ebenfalls im Havelland tritt Benjamin Kuhirt, Jahrgang 1984, an. Er war beim »Sturm 27«, einer militanten Kameradschaft, die 2005 vom Innenministerium verboten werden musste. Auch Andreas Rokohl, Kandidat in Bernau, hat Ermittlungsverfahren auf seinem Konto. Für die Drohung »Dich hat man damals vergessen« gegen einen NPD-Kritiker wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt.

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siehe auch: Sachsenhausen-Brandstifter tritt für NPD an. Rechter Kommunalkandidat in Joachimsthal: Die kriminelle Vorgeschichte von Thomas Haberland. Es war eines der einschneidendsten Ereignisse Anfang der 90er Jahre in Brandenburg: In der Nacht vom 25. auf den 26. September 1992 brannte die Baracke 38, die sogenannte “jüdische Baracke” des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen nieder. Kurze Zeit später gingen tausende Menschen auf die Straße, um gegen den neonazistischen Anschlag zu demonstrieren. Der damalige Brandenburger Ministerpräsident Manfred Stolpe warnte gar vor einem “neuen Auschwitz”. Der Täter von einst will nun in Brandenburg Politik machen. Für die NPD tritt der mittlerweile 43-jährige Thomas Haberland bei den Kommunalwahlen im Mai an. Er will in die Stadtverordnetenversammlung von Joachimsthal (Barnim) einziehen. Der erste Gerichtsprozess wegen des Brandanschlags von 1992 gegen Haberland war nach diversen Pannen gescheitert. Trotz Geständnis wurde Haberland und sein Mitangeklagter freigesprochen. Erst 1995 wurden in einem zweiten Verfahren zu Haftstrafen von zweieinhalb und drei Jahren verurteilt. Zusammen mit dem damals 18-jährigen Neonazi Ingo Kehn hatte Haberland den Brandanschlag auf die Gedenkstätte verübt. Beide hatten ein Geständnis abgelegt, dies zwischenzeitlich jedoch widerrufen.

bildquelle: inforiot

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