Der schmutzige Wahlkampf der NRW- #AfD – #schauhin wer da hetzt

Die AfD im Westen gibt sich bürgerlich. Im Internet aber zeigt sich: Unter den Parteimitgliedern sind Hetzer, Islamfeinde und Sexisten. Es gibt diese Momente, in denen man die AfD für eine bürgerliche Partei halten kann. Am Donnerstabend vergangener Woche zum Beispiel, in Mettmann, einer Kleinstadt bei Düsseldorf. Die “Gesellschaft Verein zu Mettmann” hat zur Podiumsdiskussion in ein Vier-Sterne-Hotel geladen. Gut hundert Zuhörer sitzen auf gepolsterten Stühlen über dickem Teppichboden, und vorn, auf dem Podium neben den anderen Lokalpolitikern, sitzt Herbert Strotebeck in dunklem Anzug und Krawatte. Strotebeck steht auf Platz fünf der AfD für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Nach der Abstimmung am 14. Mai wird er im größten deutschen Landtag sitzen, alles andere wäre bei den derzeitigen Umfragewerten ein Wunder. Er trägt das graue Haar akkurat gescheitelt und spricht in geschliffenen Sätzen: Über die neue Einbruchsstatistik, über den Ausbau der Straßen, darüber, warum er das alte Abitur nach neun Jahren wieder zurück haben möchte. “Ich begründe Ihnen das auch gern. Unsere Kinder können noch genug arbeiten. Wir sollten ihnen mehr Zeit lassen, zum Beispiel, um ein Instrument zu erlernen oder Sport zu treiben.” Strotebeck bekommt viel Applaus von Mittfünfzigern in Hemden und Sakkos, manchmal sogar mehr als der Mann von der CDU. Hier sitzt ein Bürgerlicher unter Bürgerlichen, so wirkt es. Dass es mit der Bürgerlichkeit der Rechtspopulisten im Westen aber doch nicht so weit her ist, zeigt sich im Internet. 60 Politiker stehen auf der AfD-Liste für die Landtagswahl, und einige von ihnen führen den Wahlkampf im Netz mit schmutzigen Methoden. Sie hetzen gegen Ausländer, gegen Muslime, gegen Mitglieder der Bundesregierung. Das zeigt eine Recherche der Süddeutschen Zeitung, die die Facebook-Profile der Kandidaten auf der AfD-Liste ausgewertet hat. In weiteren Fällen deuten länger zurückliegende Posts von AfD-Kandidaten auf deren ausländer- oder frauenfeindliche Gesinnung hin. (…) In dem Text heißt es, zwei zwölfjährige Mädchen hätten sich im Einkaufszentrum “City Point” in ein Geschäft geflüchtet, da sie auf den Gängen von Männern angesprochen wurden. Wer sie angesprochen haben soll und welchen Hintergrund die Männer hatten, wird nicht beschrieben. Das verschweigt Röckemann ebenso wie das Zitat des Polizeisprechers am Ende des Textes: “Von den beschriebenen Personengruppen im City-Point geht unseren Erkenntnissen nach keinerlei Gefahr aus.”
Unter dem Post bricht sich ungeachtet dessen schon bald der Hass auf Flüchtlinge Bahn. “Es sind Tiiere”, schreibt ein Facebook-Fan von Röckemann in zweifelhafter Rechtsschreibung, “sperrt sie alle in einen Käfig.” “Jeder Deutsche Mann sollte sofort handeln”, fordert ein weiterer. Es finden sich mehrere Mordaufrufe unter dem Post (“Hinrichten”, “Kopfschuss”). Ein Nutzer schreibt: “Ab ins Lager.” Röckemann kommentiert mit – und ist kein Einzelfall Röckemann scheint es nicht zu stören, dass Derartiges auf seiner Seite verbreitet wird. Er kommentiert unter dem Artikel fleißig mit, ohne auf die Gewaltaufrufe und Nazi-Rhetorik einzugehen. Bis zum 6. April wurden die Kommentare nicht gelöscht, wie Screenshots belegen. Röckemanns Post ist kein Einzelfall, sondern offenbar Teil einer Strategie. (…) Unter Röckemanns Posts entstehen hunderte Hasskommentare, Gewaltaufrufe und Nazi-Sprüche. Zu eine Meldung vom 20. März, die von der Seerettung von Migranten auf dem Mittelmeer berichtet, wird vorgeschlagen, auf die Menschen mit Torpedos zu schießen oder sie Haien zum Fraß vorzuwerfen. Zudem werden Migranten pauschal als “Ratten” bezeichnet. Unter einem Post vom 5. April, in dem es um die mutmaßliche Vergewaltigung einer Frau bei Bonn geht, schreibt jemand: “und Adolf musste sterben…,tztztztztzzz”. In keinem der Fälle reagiert Röckemann, bis die SZ ihn am 6. April mit den Hasskommentaren konfrontiert.

via sz: Der schmutzige Wahlkampf der NRW-AfD

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