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Die halbe Wahrheit von Bleiburg

Die alljährliche kroatische Gedenkfeier auf dem Loibacher Feld in Kärnten gilt als Anziehungspunkt für Faschismussympathisanten. Die Debatte über die historische Wahrheit vom 15. Mai 1945 spaltet Kroatien. Mitte Mai spricht ein älterer Mann in schwarzer historischer Uniform ungewöhnliche Worte in das Mikrofon einer ORF-Journalistin des Politmagazins “Report”: “Wenn ich heute über Hitler rede, sehen das alle negativ. Warum? Er hatte eine Ideologie und hat Deutschland groß gemacht. Das tun wir heute auch. Wir haben 75 Jahre gebraucht, um einzusehen, dass das ein kluger Mann war, der Ordnung schaffen wollte.”
Wenig später bedankt sich der Uniformierte dafür, dass ihn die österreichische Polizei schützt, denn vor wenigen Jahren wollte ihm jemand seine Kappe vom Kopf reißen, erzählt er empört. Seine schwarze Kappe gehört zu der Uniform der kroatischen Ustascha, eines rechtsextremen, nationalistischen, faschistischen Bundes, und er trug sie heuer bei der Gedenkfeier auf dem Loibacher Feld im Kärntner Bleiburg am 13. Mai. Der Mann in Ustascha-Uniform ist ein regelmäßiger Besucher des alljährlichen Treffens in Kärnten, das offiziell als kirchliche Veranstaltung auf einem Privatgelände angemeldet ist. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) spricht allerdings seit Jahren von “einem der größten Treffen von Neonazis in ganz Europa”. “Es ist ein Skandal, dass, nur wenige Tage nachdem das offizielle Österreich der Opfer des NS-Regimes gedacht hat, dessen kroatische Kollaborateure und deren Nachfolger im Geiste sich ungehindert in Österreich versammeln”, erklärte DÖW-Präsident Rudolf Edlinger in seiner diesjährigen Aussendung. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien appellierte ebenfalls an Kärntner Politiker, dem Treffen ein Ende zu setzen. (…) Das Hochstilisieren von Bleiburg zum identitätsstiftenden Opfermythos der rechtsgerichteten politischen Kräfte in Kroatien passierte und passiert noch immer zusammen mit dem Kleinreden der Verbrechen im Konzentrationslager Jasenovac, erklärt die Wiener Politikwissenschafterin Ljiljana Radonić. Das Bemühen, Bleiburg und Jasenovac im Geschichtsdiskurs als gleichwertig zu etablieren, fängt bereits mit dem Buch des ersten kroatischen Präsidenten und gelernten Historikers Franjo Tuđman, “Irrwege der Geschichtswirklichkeit”, an. Tuđman korrigiert die Zahl der Jasenovac-Opfer nach unten, und “obwohl er nie gesagt hat, die Verbrechen im Konzentrationslager Jasenovac und die Ereignisse nach Bleiburg seien gleichwertig, hat er dieses Klima vorbereitet”, sagt Radonić.

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