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Im Tunnel durch das Internet

Virtuelle private Netze helfen, den Standort zu verschleiern und die Kommunikation zu verschlüsseln / Doch auch diese Technik hat Tücken. Wenn das Internet ein Straßenverkehrsnetz ist, mit Schnellstraßen, Kreuzungen und Autobahnen, dann sind VPNs die Tunnel im Untergrund. Sie sind wenig einsehbare Orte, weshalb sie manch einer meidet, als hafte ihnen der Geruch der Kanalisation an. Es ist auch wahr, dass viele virtuelle private Netzwerke, wofür VPN die Abkürzung ist, so wenig vertrauenserweckend sind wie dunkle Unterführungen. Andere haben unschätzbare Vorteile: Sie bringen einen an Orte und zu Inhalten, die sonst nur schwer erreichbar sind. Sie schützen vor neugierigen Blicken, vor Überwachung und Zensur. Einige sind kostenlos im Netz oder in den App-Stores von Google oder Apple zu finden, andere erheben monatliche Gebühren. Es gibt große Unterschiede zwischen Anbietern und ihren Leistungen. Das richtige VPN zu finden ist nicht leicht – es lohnt sich, Zeit in die Auswahl zu investieren. Denn allen VPNs ist eins gemein: Ihre Tunnel sind gebaut aus Vertrauen, einem zarten Material, das schnell zerbricht. Nur jeder fünfte Deutsche gibt an, schon ein VPN benutzt zu haben, ein Drittel weiß gar nicht, was das ist. Doch fast jeder, der sich durch das Internet bewegt, nutzt VPN, bewusst oder unbewusst. Unternehmen installieren virtuelle private Netzwerke, damit sich Mitarbeiter mit den Servern und den Inhalten verbinden können, auch wenn sie nicht im Büro sind. So geben sie einen verschlüsselten Zugriff auf interne Daten frei oder können Standorte miteinander verbinden. Mit dieser Technik wird wie in einem Tunnel eine Verbindung zum Unternehmensnetzwerk geknüpft, hindurch kommt nur, wer dazu auch berechtigt ist.
Privatleute hingegen nutzen ein VPN, wenn sie vorgeben wollen, an einem anderen Ort zu sein, als sie sind. Das kann ganz verschiedene Gründe haben: So ist etwa in China der Zugriff auf viele westliche Internetseiten gesperrt, Google oder Facebook sind nicht ohne weiteres erreichbar. Mit einem VPN kann man diese Sperren umgehen. Weil das auch dem Regime aufgefallen ist, gibt es seit einiger Zeit ein Verbot für diese Dienste, immer wieder werden Anbieter von den Zensoren gesperrt. Auch wer hierzulande nicht möchte, dass Werbeunternehmen mit sogenannten Trackern ein genaues Profil erfassen, kann seine Kommunikation mittels eines VPN verschleiern. Auch für offene W-Lan-Verbindungen wie in Cafés oder Zügen der Deutschen Bahn lohnt sich ein VPN, weil sonst alle Daten unverschlüsselt übertragen und leicht von Kriminellen abgefangen werden können. Allerdings ist vollkommene Anonymität eine Illusion. Sehen sonst die – streng regulierten – Netzbetreiber wie die Telekom, Unitymedia oder Vodafone, welche Internetseiten man besucht, verschiebt sich dieses Wissen mit der Nutzung eines VPN auf den Anbieter. Der gesamte Datenverkehr läuft dann durch seinen Tunnel, der damit ein gläserner ist. Deshalb ist das Vertrauen in den Anbieter besonders wichtig. Grundsätzlich sollten kostenlose Angebote genau überprüft werden, viele sind betrügerisch und wurden trotzdem millionenfach heruntergeladen. Forscher des australischen Instituts CSIRO haben herausgefunden, dass 38 Prozent der VPN-Apps im Android-Store Malware enthalten, also Schadprogramme. Rüdiger Trost, der in Deutschland für die Sicherheitslösungen des finnischen Unternehmens F-Secure verantwortlich ist, sagt: „Bei Anbietern kostenloser VPN-Dienste muss man sich die Frage stellen, welches Geschäftsmodell dahintersteckt. Möglicherweise sammelt das Unternehmen die Browser-Daten und verkauft sie weiter.“ Die Schweizer Proton Technologies AG, die von Forschern des Cern gegründet wurde, rät in der Auswahl des richtigen VPN dazu, zwei Punkte zu beachten: die Herkunft des Anbieters und die Transparenz, die er bietet. Proton bietet auch ein kostenloses VPN an, das dafür aber langsam ist und nur auf einem Gerät funktioniert. Das soll den Einstieg ins kostenpflichtige Produkt erleichtern. Für die Analysten von Proton ist es für Nutzer am wichtigsten, dass die Anbieter nicht aus den Ländern kommen, die in der Überwachung kollaborieren. Damit fallen viele raus, wie alle amerikanischen, britischen oder auch deutschen Anbieter (die zu den sogenannten Five-Eyes oder Fourteen-Eyes-Ländern gehören). Denn die können dazu verpflichtet werden, ihre Nutzer auszuspionieren. Auch von russischen, türkischen und chinesischen Anbietern raten die Forscher ab.

via faz: Im Tunnel durch das Internet

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