Wahlkampf in den USA Facebook als mächtiger Helfer

In den USA sind neue Werbeformen bei Facebook längst Teil der politischen Kampagnen. Massen an Daten und deren Verknüpfung machen zielgenaue Botschaften möglich. Kombiniert mit Offline-Datenbanken wird Facebook-Werbung noch mächtiger. Eine der Firmen der neuen Ära des digitalen Wahlkampfs heißt “Harris Media”. In den USA war das Unternehmen aus Austin im Bundesstaat Texas unter anderem für Donald Trump tätig und ist weit bekannt: “Sie sind ziemlich gut”, sagt Ryan Irvin anerkennend. Der 31-Jährige arbeitete selbst jahrelang für politische Organisationen von Ex-Präsident Barack Obama, bevor er sich mit seiner Firma “Change Media” selbstständig machte. Über die Konkurrenz aus Austin sagt er: “Harris verschiebt ständig die Grenzen, was in digitalen Kampagnen gemacht werden kann. Allerdings würde ich auch sagen, dass sie ein zumindest flexibles Verhältnis zur Wahrheit haben.” Laut Ryan Irvin ist Negativ-Werbung typisch für die neue Ära des digitalen politischen Marketings. Irvin ist in der Sache nicht ganz neutral: Seine Firma “Change Media” berät überwiegend demokratische Kunden, wie sie in der digitalen Welt ihre Botschaften unters Volk bringen. “Harris Media” tut das Gleiche, nur eben auf der konservativen Seite. Und auch in Deutschland war “Harris Media” bereits aktiv: Die Agentur verantwortete die digitale Wahlkampagne der AfD. Wie der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg berichtete, half “Harris Media” der Partei über eine Funktion namens “Lookalike Audience”, ihre Reichweite für Facebook-Posts deutlich zu steigern. Zudem kaufte “Harris Media” demnach die Anzeige eines Suchergebnisses, das bei der Google-Suche nach “Angela Merkel” ausgespielt wurde. Wer darauf klickte, landete auf einer Webseite, die die Bundeskanzlerin als Eidbrecherin verunglimpfte. Kampagnen wie die Negativ-Werbung gegen die Kanzlerin sind laut Irvin typisch für die neue Ära im politischen Marketing: “Eine Spezialität dieser Agenturen ist es, eine Marke aufzubauen, die sich als neutrale Organisation ausgibt, und dann über diese Plattform politische Botschaften verteilt.” Diese Webseiten werden dann über Facebook Ads promoted. Wer hinter der Seite steckt, erfahren die Nutzer meist nicht. Demokratische Wahlkämpfer sträubten sich laut Irvin länger, solche Taktiken einzusetzen. In der jüngeren Vergangenheit sieht er sie aber auch verstärkt bei liberalen Aktivisten und Kampagnen-Machern in den USA.
“Lookalike Audiences” Mit “Lookalike Audiences” (deutsch: ähnliche Zielgruppe) errechnet Facebook aus seinen Nutzern eine neue Zielgruppe für Werbetreibende. Der Clou: Sie ähnelt einer Zielgruppe, die der Werbetreibende vorher definiert hat – beispielsweise über bestehende E-Mail-Listen oder über ein bestimmtes Nutzerverhalten, wie das Kommentieren eines bestimmten Facebook-Posts. Die Ausspielung an sogenannte “statistische Zwillinge” wird von Marketing-Experten geschätzt, weil schnell viele potenziell an den Inhalten einer Marke interessierte Menschen zu erreichen sind. Facebooks Trumpf: passgenaue Werbung Kiri Walton arbeitete als Journalistin, jetzt managt sie digitale Wahlkämpfe. Gerade hat Walton mit dafür gesorgt, dass in New Orleans mit LaToya Cantrell zum ersten Mal eine Frau die Stadt am Mississippi regiert. Walton glaubt, dass die Strategie der Kampagne auf Facebook einen guten Teil zu diesem Erfolg beigetragen hat. Die meisten Menschen schauen mindestens drei Mal am Tag auf Facebook vorbei. Morgens nach dem Aufstehen, einmal wenn sie in der Arbeit ein bisschen müde werden und dann Abends. Und jedes Mal sind wir mit dabei. Das kannst du mit Fernsehwerbung nicht erreichen.
Auch in den USA spielt das Fernsehen nicht mehr die herausragende Rolle wie früher. Und Fernsehwerbung ist teuer, Facebook-Ads dagegen sind deutlich günstiger. Der Hauptvorteil von Facebook ist laut Walton jedoch, wie passgenau politische Kampagnen ihre Botschaften ausrichten können.

via faktenfinder: Wahlkampf in den USA Facebook als mächtiger Helfer

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