Bremen verstärkt Extremismus-Analyse in sozialen Netzwerken

Die Innen- und Sicherheitsbehörden in Bremen setzen beim Kampf gegen eine zunehmende Radikalisierung in sozialen Netzwerken auf wissenschaftliche Analyseinstrumente. Die Bremer Innenbehörde will systematisch gegen extremistische Hetze in den sozialen Netzwerken vorgehen. Möglich macht dies “LEA”, ein linguistischer Algorithmus, den Michael Adelmund, Mitarbeiter der Innenbehörde, entwickelt hat. Mit Hilfe dieses Instruments soll künftig aus Facebook, Twitter & Co. herausgefiltert werden, in welchen Foren sich Extremisten tummeln. (…) Besonders erfolgreich in dieser Hinsicht seien Wut-Beiträge, erklärt Michael Adelmund, der derzeit im Rahmen eines Promotionsprojektes an der Universität Hildesheim untersucht, inwiefern in sozialen Netzwerken Radikalisierungsprozesse begünstigt werden. Wut führe im Internet zu hohen Zustimmungswerten und dazu, dass Beiträge verstärkt geteilt würden. Adelmund spricht in diesem Zusammenhang vom “Effekt der verbindenden Wut”.  Auf diese Weise würden die sozialen Netzwerke eine maßgebliche Rolle bei der Verbreitung von extremistischer Propaganda spielen. Die Terrorpropaganda von Islamisten, fremdenfeindliche Hetze, linksextreme Mobilisierungsvideos oder “Reichsbürger”-Videos seien in den sozialen Medien allgegenwärtig, so Schittkowski. Diffamierende Stereotypenbilder würden durch die Verteilungsprozesse in den sozialen Netzwerken schnell Zigtausende von Menschen erreichen. In solchen heterogenen Communities, in denen oft Tausende Nutzer miteinander verbunden sind, können durch eine Vielzahl gleichgelagerter Inhalte übersteigerte Ängste heraufbeschworen und dadurch Hass geschürt werden, betont der Leiter des LfV. Hieraus resultiere eine besonders große Gefahr: „Je weiter die Ideologie dabei in den Hintergrund rückt, desto mehr Menschen können Extremisten in sozialen Medien erreichen, weil sie unerkannt bleiben. So können sie erfolgreich gesellschaftliche Ängste heraufbeschwören und ihren gefährlichen Hass säen.” (…) Mit Hilfe des von ihm entwickelten Algorithmus sollen die virtuellen Communities in ihre Einzelteile zerlegt und dadurch latent extremistische Inhalte identifiziert werden, die vorher nicht als solche zu erkennen waren. Die Häufigkeit, mit der bestimmte Begriffe auftauchen, würde Indizien liefern, dass vielleicht mit einer bestimmten Gemeinschaft etwas nicht stimmt. Zwei Ziele werden verfolgt Das Analyse-Instrument diene dabei zwei Zielen, erklärt Schittkowski. Zum einen dem Aufspüren neuer extremistischer Gruppen. “Wir haben damit sozusagen ein Frühwarnsystem.” Zum anderen aber auch der Sicherung zusätzlichen Beweismaterials. Wer durch Interaktionen wie das Markieren von Beiträgen mit “Gefällt mir”, durch positive “Kommentare” oder das “Teilen” von Inhalten verfassungsfeindliche Gruppierungen nachdrücklich unterstützt und auf diese Weise dazu beiträgt, dass deren Propaganda weite Teile der Gesellschaft erreicht, mache sich bewusst oder leichtfertig zum Gehilfen, warnt Schittkowski. Dagegen werde das LfV jetzt systematisch vorgehen. “Wer durch seine Interaktionen im Netz extremistische Propaganda verbreite, muss künftig damit rechnen, das Interesse der Sicherheitsbehörden auf sich zu ziehen.”

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