Rechter Angriff in Kandel hat Folgen / Aufruf zum Protest gegen weitere rechte Aufmärsche – Polizei ermittelt wegen Körperverletzung

Die Polizei ermittelt gegen einen Teilnehmer des nationalistischen Aufmarschs „Kandel ist überall“ am Samstag, 3. März, wegen schwerer Körperverletzung. Der Mann soll eine Polizeikette durchbrochen und einen Gegendemonstranten angegriffen haben. Das Opfer hat Strafanzeige gegen den Angreifer erstattet. Die AfD hat weitere Aufmärsche in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Kandel für den 24. März und den 7. April angekündigt. Dagegen gibt es zivilgesellschaftlichen Protest. Anlass der rechten Demonstrationen ist angeblich der Tod der 15-jährigen Mia. Die baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Christina Baum sprach jedoch in einer Videobotschaft bereits von einer „Party“ bei der nächsten Kundgebung. Vertreter der rheinland-pfälzischen Grünen reagierten entsetzt auf die Vorgänge. „Es ist nicht hinnehmbar, dass rechtsextremistische und rechtsradikale Kreise den Tod eines jungen Mädchens instrumentalisieren, um Hass und Hetze in eine Kleinstadt zu tragen“, erklärte der Landesvorsitzende Josef Winkler.Der Karlsruher Bundestagsabgeordnete der Linken Michel Brandt rief dazu auf, auch weiterhin vor Ort gegen die rechten Aufmärsche zu protestieren: „Die Erfahrungen haben gezeigt, überall dort, wo genau, das eben nicht passiert, wo die zivile Gesellschaft nicht aufsteht und sich gegen die rechten Umtriebe wehrt, werden die Rechten größer und gewinnen an Raum.“
Angreifer trug Ringe an der Schlaghand Am 3. März hatte sich vor einem Gebäude in der Rheinstraße – von der Polizei von der Demoroute der Rechten abgeschirmt – eine kleine Gruppe von Nazi-GegnerInnen versammelt. Einem Teilnehmer der rechten Demonstration gelang es jedoch, die Polizeikette zu durchbrechen (wir berichteten). Der Täter, der mehrere Ringe an der Schlaghand hatte, soll unvermittelt auf den friedlichen Gegendemonstranten eingeschlagen haben.Das Opfer erlitt eine Gehirnerschütterung und musste ärztlich versorgt werden. Wie die Polizei auf Nachfrage bestätigte, wird gegen den Angreifer wegen schwerer Körperverletzung ermittelt. Weitere Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsrecht seien ebenfalls eingeleitet worden. Das Opfer erklärte uns gegenüber, die Aggressionen der rechten Demonstranten seien förmlich explodiert (siehe unten im Wortlaut). Er bedankte sich bei den Polizeibeamten, die ihm als Verletztem halfen, sich hinter ein Hoftor zu retten.
Einsatzleitung unterschätzt Gewaltpotenzial Aus schwer ersichtlichen Gründen hatte die Einsatzleitung der Polizei das Gewaltpotenzial des rechten Aufmarsches offenbar falsch eingeschätzt. Es wurde nicht nur Alkohol während der Demonstration konsumiert, sondern es gab auch mehrere Verstöße gegen das Vermummungsverbot. Selbst der Ausschank von harten Alkoholika am Rand der Route durch Anwohner in der Rheinstraße wurde von den Einsatzkräften nicht geahndet. Nun stellt sich die Frage, wie die Einsatzleitung zukünftig gegen solche Verstöße vorgehen und welche Maßnahmen sie ergreifen wird, um friedliche GegendemonstrantInnen vor Gewalt durch Rechtsextreme zu schützen.

via beobachternews: Rechter Angriff in Kandel hat Folgen / Aufruf zum Protest gegen weitere rechte Aufmärsche – Polizei ermittelt wegen Körperverletzung

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