Wenn der Stadtbummel zum Albtraum wird – #schauhin #kaltland #dunkeldeutschland #pack

Eine Spanierin wird in Pirnas Innenstadt beschimpft und bepöbelt. Der Grund? Sie spricht nicht perfekt Deutsch. (…) Seit gut acht Monaten wohnt sie bei ihrem Freund Torsten Langmann* in Dippoldiswalde. Die Spanierin aus Madrid und der Sachse haben sich in einem Urlaub in Südostasien kennengelernt und ineinander verliebt. Um mit Torsten zusammen zu leben, zieht Maria nach Deutschland. Aber hier macht sie nicht nur gute Erfahrungen. Im Gegenteil, in Pirna erlebt sie Schockierendes. Trotz ihrer Angst traut sie sich, zur Zeitung zu gehen, um zu berichten, was ihr passiert ist. Maria besucht eine Sprachschule in Pirna, um ihr Deutsch zu verbessern. In der Woche fährt sie täglich von Dippoldiswalde nach Pirna, die Schule befindet sich in der Altstadt. Das letzte Stück geht sie zu Fuß. Wie immer biegt sie auch an diesem Mittwoch vor gut vier Wochen in die Breite Straße ein. Plötzlich bemerkt sei eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen hinter sich. Deren Alter? „Sie waren vielleicht elf bis 14 Jahre alt“, sagt Maria. Einer der Jungs spricht sie an. Sein Gesicht ist hassverzerrt. Maria nimmt den Kopfhörer ab, mit dem sie gerade Musik hört. Dann fängt der Junge an, sie zu beschimpfen und zu bepöbeln.  Hässliche Worte fallen wie „Scheiß-Ausländer“ und „Ausländer raus“. Maria ist wie im Schock. „Zuerst dachte ich, ich hätte etwas falsch gemacht und die Jungen nicht richtig verstanden. Ich hatte Angst“, erzählt sie. Um der Gruppe zu entkommen, betritt sie ein Geschäft, in dem sie einen Kaffee kauft. Doch ihre Verfolger lassen nicht ab, schauen sie durch die Glasscheibe an und schneiden Fratzen. Maria verlässt das Geschäft. Sofort nehmen die Jugendlichen sie in die Zange, zwei laufen vor ihr und zwei hinter ihr. Sie bewerfen sie mit Radiergummis. Maria greift zum Handy, um ihren Freund anzurufen. Vermutlich denken die Jungen, dass sie die Polizei informiert. Sie verschwinden um die nächste Ecke. Und Maria? „Ich fühlte mich entsetzlich.“ Es bleibt nicht bei diesem einen Vorfall. Am 9. März lauert ihr nach der Sprachschule erneut ein Junge auf. Diesmal beim schwarzen Nettomarkt an der Königsteiner Straße. „Es war eindeutig einer von den vieren aus der Breiten Straße“, sagt die Spanierin. Wieder schreit er Maria an und beschimpft sie. Maria läuft weg und ist so verstört, dass sie sofort zu ihrem Freund nach Dresdenweiter zur Lokalausgabe Dresden fährt, der dort arbeitet. Sie versteht den Hass nicht. „Ich weiß nicht, was ich den Jugendlichen getan habe.“ (…) An ihrer Sprachschule hat Maria von den Vorfällen berichtet. „Viele sagten, sie hätten ähnliche Erfahrungen in Pirna gemacht“, sagt Maria. Was sie und ihren Freund am meisten entsetzt, ist die Tatsache, dass keiner Maria geholfen hat. „Die Passanten schauten weg. Niemand stand mir bei. Das hat mich sehr getroffen.“

via sz online: Wenn der Stadtbummel zum Albtraum wird

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