Deutsche Rassisten kündigen »Hilfsprojekt« im Nahen Osten an

Durch vermeintliche Entwicklungsarbeit in Flüchtlingscamps wollen Identitäre die Migration nach Europa stoppen. Ein kleiner Junge tapst durch ein Zeltlager. Kleidungsstücke schaukeln im Wind an einer Wäscheleine. Vor einem schneebedeckten Berg spielen zwei Kinder auf einem Acker Fußball. Schnitt, ein Deutscher mit einem »AHA!«-Schriftzug auf dem grauen T-Shirt fängt an, zu sprechen: »Krieg, Naturkatastrophen, Armut, Unterdrückung – es gibt viele Gründe, die Menschen zwingt ihre Heimat zu verlassen.« Ein typisches Video einer westlichen Hilfsorganisation – würde man denken. Allerdings: Die jungen Männer in dem zwei minütigen, mit theatralischer Musik unterlegten Clip sind keine Entwicklungshelfer, sondern stramme Rechte. Die dort vorgestellte »Alternative Help Association« (AHA) ist das neustes Projekt der Identitären Bewegung (IB). Nach eigenen Angaben ist AHA das »erste patriotische Hilfsprojekt«. Bereits im vergangenen Sommer soll dafür ein Verein gegründet worden sein, der jedoch erst in diesem Mai erstmals öffentlich in Erscheinung getreten ist. Eigentlich wollten die Rechten nach Syrien, doch dreimal wurde ihr Visum abgelehnt. Deshalb ging es nach Libanon, wohin genau bleibt in dem Video unklar. Auf Anfrage des »nd« konnte eine Caritas-Mitarbeiterin in Libanon nicht den genauen Drehort feststellen, vermutet jedoch, dass es sich um ein Flüchtlingslager in Westbekaa im Gebiet Baalbek handelt. Bei den beiden Männern, die im Video zu sehen sind, handelt es sich um Sven Engeser und Nils Altmieks. Beide sind führende Köpfe der Identitären Bewegung. Während der Schwabe Engeser bislang nur selten öffentlich in Erscheinung trat, ist der aus Altenbeken in Westfalen stammende und mittlerweile in Bayern lebende Altmieks seit Jahren in rechtsradikalen Kreisen unterwegs. Laut der Journalistin Andrea Röpke war der Bauingenieur früher Mitglied in der mittlerweile verbotenen neonazistischen »Heimattreuen Deutschen Jugend« (HDJ). Rassisten und Entwicklungsarbeit, wie passt das zusammen? Der Soziologe und Identitären-Experte Jerome Trebing meint: »Die Umdeutung von Diskursen ist ein Ziel der Identitären, deshalb passt dieses Projekt gut zu ihnen«. Die Strategie ist nicht neu: In eine ähnliche Richtung gingen Projekte, bei denen die IB beispielsweise in der Steiermark erklärte, patriotische Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten leisten zu wollen oder in Hamburg dazu aufrief, Vormundschaften für minderjährige Geflüchtete zu übernehmen. Das Ziel: Den Diskurs beherrschen und nach ihrem Weltbild formen. Auch bei AHA gehe es laut Trebing weniger darum, wirklich Hilfe zu leisten, als darum bestehende Projekte in der Region zu diskreditieren, das »linke Establishment« anzugreifen und Stimmung gegen die Migration nach Europa zu machen. (…) Doch was ist in Libanon genau geplant? AHA erklärt, dass sie durch die monatlichen Spendengelder einzelnen Familien helfen wollen, etwa ihre Zeltplätze zu finanzieren oder Lehrern das Gehalt bezahlen wollen. Auf Facebook und Instagram werden Fotos von Bedürftigen gepostet, denen angeblich mit den Spenden geholfen werden könne. Mehrere Hilfsorganisationen, die von »nd« angefragt wurden, sind bisher allerdings keine Aktivitäten von AHA in der Region bekannt. Reiner Fritz von Caritas sagt dem »nd«: »Die Annahme, dass es sich lediglich um einen Fake handelt, ist plausibel.«

via nd: Deutsche Rassisten kündigen »Hilfsprojekt« im Nahen Osten an

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