Rechtsextreme Ideologie, Kampfsport und gute Geschäfte

Zwei Lausitzer Rechtsextremisten unterhalten wichtige Netzwerke mit Kämpferteams, Musik- und Bekleidungs-Labels. Die Anreise in den kleinen Ort Grünhain-Beierfeld im Erz­gebirge erfolgte konspirativ. An einem Samstag Anfang Juni trafen sich dort mehr als 200 Rechtsextremisten zum Kampfsportturnier „Tiwaz“. Einer der Kämpfer, die dort in den Ring stiegen, war der Betreiber eines Cottbuser Sicherheitsunternehmens. Ein anderer war ein bekannter Lausitzer Hooligan aus der angeblich selbst aufgelösten Gruppe „Inferno“ und ehemaliges Mitglied der verbotenen Neonazigruppe „Widerstand Südbrandenburg“. Beide traten für eine „Kampfgemeinschaft Cottbus“ an.
Seit dem Jahr 2012 hatte die RUNDSCHAU mehrfach über Verbindungen zwischen Neonazis, rechtsextremen Hooligans aus der Fanszene des FC Energie Cottbus, Rockern und dem Türstehermilieu in der Lausitz berichtet. Der Brandenburger Verfassungsschutz weist seit Jahren auf diese gefährliche „Misch-Szene“ hin. Durch die deutlich gestiegene Zahl von Asylbewerberunterkünften suchten Wachschutzunternehmen in den vergangenen Jahren verstärkt Personal. „In diesen Markt drängten auch kampfsporterprobte Rechtsextremisten“, so Brandenburgs Verfassungsschutzchef Frank Nürnberger. /…) Eines der Labels ist „Black Legion“. Dahinter steht laut Verfassungsschutz der Cottbuser Martin Seidel. Mit „Rebel Records“ betreibt er in Cottbus auch einen der wichtigsten Vertriebe für rechtsextremistische Musik bundesweit. Beim Neonazitreffen im April im ostsächsischen Ostritz, wo ebenfalls Kämpfe stattfanden, war auch „Black Legion“ mit einem Verkaufsstand vor Ort. Beim Turnier im Juni im Erzgebirge sponserte die Marke die „Kampfgemeinschaft Cottbus“. Die zweite Lausitzer Marke, die beim Neonazi-Kampfsporttreffen im Erzgebirge präsent war, ist „Greifvogel Wear“. Sie gehört wie auch der rechtsradikale Musikvertrieb OPOS-Records dem Lausitzer Sebastian Raack, der 2016 aus Dresden nach Lindenau im Oberspreewald-Kreis zog. Er betreibt dort neben seinem Versandhandel eine Gaststätte und Pizzeria und unterstützt den örtlichen Fußballverein. Im nahegelegenen Ortrand ist er Mitbesitzer eines Hotels. Damit gibt er sich einen bürgerlichen Anstrich. Ein Großteil des Gemeindelebens spielt sich in seiner Gaststätte ab, die Veranstaltungen dort werden auf dem Gemeindeportal beworben. Dass die Pizzeria „Pizza 18“ heißt und 18 ein Szenesynonym für Adolf Hitler ist, scheint niemanden zu stören.

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