AfD-Rechtsausleger mit Ambitionen

Die Zeit von André Poggenburg in der Führungsriege des „Flügels“ ist vorbei. Mit Andreas Kalbitz ist die neue Nummer zwei der Partei-Rechtsaußen längst gefunden. Was André Poggenburg im letzten Dreivierteljahr in der AfD erlebt hat, könnte er als Kette von Demütigungen empfunden haben. Erst griff er im Dezember beim Parteitag in Hannover nach dem Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden, fiel jedoch durch und war am Ende sogar seinen Platz im Vorstand los. Im heimischen Sachsen-Anhalt stieß er erstmals auf massiven Widerspruch, zunächst vom renitenten Schiedsgericht der Partei, das sich seine Einmischungen verbat. Dann – nach seiner Rede gegen türkische „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“ – wurde der Druck aus der Partei und aus den Reihen ihrer Landtagsabgeordneten so stark, dass auch der Doppelvorsitz im Landesverband und in der Fraktion verloren ging. „Meine rechte Hand im Flügel“ Blieb neben dem mehr oder weniger bedeutungslosen AfD-Kreisvorsitz daheim im Burgenland noch seine Rolle in der Spitzengruppe des „Flügels“, jener Gruppe, in der sich die völkisch-nationalistischen Teile der AfD zusammentun. Doch auch dort ging seine Zeit unaufhaltsam dem Ende entgegen. Den Abend des 14. Mai könnte er als finale Zurückweisung verstanden haben. Da stand – Poggenburg war nicht mit dabei – „Flügel“-Chef Björn Höcke in Dresden bei Pegida auf der Bühne und rief am Ende seiner Rede „Mitstreiter“ zu sich herauf. Vorneweg Andreas Kalbitz, der nach Alexander Gaulands Wechsel in den Bundestag an der Spitze der Brandenburger AfD und ihrer Fraktion steht.
Kalbitz sei, so lobte ihn Höcke, „einer von den ganz Aufrechten, ein treuer Weggefährte“. Und vor allem: Kalbitz sei „meine rechte Hand im Flügel“. Die Rollenverteilung war klar: Höcke führt den „Flügel“, sein ehemaliger Partner Poggenburg wird nicht erwähnt, stattdessen ist Kalbitz der neue Stern am Himmel der AfD-Rechtsaußen. Bekanntester Vertreter der Radikalen in der AfD-Spitze Im Bundesvorstand der AfD ist der 45-Jährige aus Königs Wusterhausen seit dem vergangenen Parteitag das, was Poggenburg bis dahin gewesen war: der bekannteste Vertreter der radikalen Kräfte in der AfD-Spitze. Anders als Poggenburg es einst tat, steuert Kalbitz seinen Landesverband vergleichsweise ruhig und skandalfrei auf Rechtskurs. Im Unterschied zu seinem Parteifreund aus Sachsen-Anhalt hält er Reden, die die völkisch-nationalistische Basis zwar begeistern, aber nicht umgehend Juristen hellhörig werden lassen. Vor allem hat er weitergehende Ambitionen, die einem Poggenburg niemand abnehmen würde.  Das Sommerinterview von „Radio Berlin-Brandenburg“ bot Anschauungsunterricht, wie es klingt, wenn jemand dezent mit den Hufen scharrt, ohne gleich karrierebesessen zu wirken. Was er sage, wenn er gefragt werde, ob er Bundessprecher der Partei werden wolle? Kalbitz wich aus: „Das entscheidet die Partei.“ Ob er selbst denn bereit sei, hakte der Interviewer nach. Kalbitz antwortete: „Ich wäre prinzipiell bereit, Verantwortung zu übernehmen.“ Es folgten branchenübliche Rückversicherungen. Die Diskussion stelle sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht. „Wenn’s die beiden Bundessprecher noch gäbe, die wir jetzt haben, würde ich Nein sagen.“ Es seien „hervorragende Bundessprecher, und die werden wir noch ‘ne ganze Weile haben“. Freilich weiß jeder in der AfD und außerhalb, dass der Begriff der „ganzen Weile“ sehr relativ ist. Wenn der Parteitag 2019 einen neuen Vorstand wählt, wird der Ko-Vorsitzende Gauland 78 Jahre alt sein. Gesundheitlich angeschlagen ist er schon jetzt. Und Parteisprecher wurde er eher unfreiwillig und der Not gehorchend, um einen Eklat auf offener Bühne zu vermeiden.

via bnr: AfD-Rechtsausleger mit Ambitionen

Andreas Kalbitz 01 Print.jpg
Von ProfessusductusEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

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