Ein Herzchen für die NSU-Terroristen

Beschmierte und zerstörte Gedenkorte, Volksverhetzung, Bedrohung: Rechtsextremisten verherrlichen immer öfter die Mordtaten der NSU-Bande. Um deren freigelassene Helfer sammelt sich nun die Szene. Seit der Enttarnung der rechtsradikalen Terrorbande NSU sind in Deutschland fast 360 Straftaten begangen worden, bei denen die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds verherrlicht wurden. Vor allem die Gedenkorte, die an die Opfer der Mordserie erinnern sollen, werden immer wieder geschändet. So urinierten im Februar 2016 Neonazis auf die Gedenktafel für die Opfer in Nürnberg und stellten das Bild mit der Bemerkung ins Internet: “Wir pissen drauf.” In Zwickau, wo die zu lebenslanger Haft verurteilte Beate Zschäpe mit ihren Komplizen wohnte, wurden Bänke, die an die Opfer erinnerten, zerstört und gestohlen. Und im Februar 2017 wurde ein Gedenkort in Rostock mit Farbe überschüttet. 2018 wurde es dann unmissverständlich: Neonazis malten in Rostock am Ort eines NSU-Mordes ein Herzchen mit der Aufschrift NSU. Für die Bundesregierung scheint das allerdings kein Problem zu sein: Der NSU und der Prozess gegen die Terrorbande habe keine “größeren Auswirkungen auf das rechtsextremistische Spektrum” gehabt, schreibt das Innenministerium in einer Antwort auf die Anfrage der Links-Fraktion. Die Szene lasse “weitestgehend keinerlei Akzeptanz der Taten des NSU erkennen”. Es lasse sich keine Vorbildwirkung des NSU in der rechten Szene ausmachen. Dessen Taten würden als unvermittelbar und kontraproduktiv wahrgenommen.
Das Innenministerium erkennt keine Vorbildwirkung im rechtsradikalen Milieu
Die Linken-Abgeordnete Martina Renner hatte schon 2016 nach den Taten von Nachahmern des NSU gefragt. Damals waren es 288, jetzt sind noch einmal 71 dazugekommen – von Bedrohung, Verunglimpfen des Andenkens Verstorbener bis zu Volksverhetzung und Sachbeschädigung. Und Renner, die immer wieder im NSU-Prozess war und die Neonazis dort gesehen hat, bewertet die Lage völlig anders: “Die Bundesregierung ist bemüht, die Bedeutung des NSU für die Neonazi-Szene zu verharmlosen. Weder erkennt sie die während des gesamten Prozesses immer wieder gezeigten Sympathiekundgebungen der Szene für die Rechtsterroristen, noch trägt sie der Ausstrahlung Rechnung, die vom NSU auf die Szene ausgeht. Das ist absichtsvolles Nicht-Wissen.”

via sz: Ein Herzchen für die NSU-Terroristen

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