Brisantes Nachspiel – Sächsischer Beamter nach Krawallen in Lille vom Dienst freigestellt

In Nordfrankreich kam es 2016 zur Fußball-EM zu schweren Ausschreitungen. Ein Foto belegt, dass auch Dresdner Nazi-Hooligans vor Ort waren – darunter ein Beamter aus Sachsens Finanzministerium. Der ist jetzt vom Dienst freigestellt worden. Andere kommen trotz Fehlverhaltens ohne Strafe davon. Stühle und Flaschen fliegen, sogar Py­rotechnik. Dazwischen skandieren Männer mit breiten Schultern rechtsextreme Parolen. Binnen Minuten verwandeln deutsche Hooligans eine Gasse in der nordfranzösischen Stadt Lille in ein Trümmerfeld, attackieren Fans aus der Ukraine. Es sind Szenen, die sich am Rande der Fußball-Europameisterschaft im Sommer 2016 in Frankreich abspielten. Und dann gibt es noch ein Foto, auf dem Männer vorm Bahnhof in Lille posieren – mit Reichskriegsflagge und dem Banner „Dresden-Ost“. Das Foto beschäftigt bis heute hiesige Behörden und hatte in diesen Tagen erneut heftige Konsequenzen für ei­nen Beamten der Finanzverwaltung. Das Foto wäre nach kurzer Empörung über das Benehmen deutscher Gewalttäter wohl im di­gi­talen Nirwana der sozialen Medien verschwunden. Bis Ende 2017 das Antifa-Recherche Team Dresden in ei­nem Blog ei­ne brisante Personalie of­fenlegte. Denn fürs Gruppenfoto posierte demnach auch ein junger Be­amter aus dem sächsischen Finanzministerium. Den hatten die Beobachter der rechtsextremen Szene zuvor schon bei ausländerfeindlichen Demos ausgemacht, rech­nen ihn zudem der rechten Fan­gruppierung „SGD Supporters Bautzen“ zu. Und er gilt als Aktivist der ostsächsischen Naziszene. Das Sächsische Finanzministerium re­agierte umgehend. Nach seiner Ausbildung im Finanzamt Hoyerswerda und seinem ra­schem Aufstieg ins Ministerium nach Dresden musste der Mittzwanziger das Haus am Königsufer zum Jahresbeginn wieder ver­lassen und wurde zu­nächst in eine an­dere Behörde versetzt. Zeitgleich leiteten die Dienstherren ein Dis­zi­pli­nar­ver­fahren ein. Inzwischen, so bestätigt Ministeriumssprecher Stephan Gößl auf Nachfrage der DNN, ist der be­troffene Beamte „vorläufig vom Dienst freigestellt worden“. Seine Bezüge werden zudem teilweise einbehalten.

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siehe auch: Boxnacht Bautzen: Nazis vor und hinter den Kulissen. Am 18. November 2017 lud der SV Post Germania Bautzen zur vierten Boxnacht in die städtische Schützenplatzhalle in Bautzen ein. Etwa 800 Zuschauer*innen verfolgten die Veranstaltung. Das Problem: Im Mittelpunkt des Boxabends standen bekannte Nazis – als Kämpfer, Veranstalter und Sponsoren.. Einer der prominentesten Kämpfer der für den SV Post Germania Bautzen im Ring stand, war Frederic „Freddy“ Pöthig. Seit mehreren Jahren ist der 25-Jährige nicht nur im Amateurboxen, sondern auch in der Bautzner Naziszene aktiv, gehört zum Umfeld der Gruppierung „StreamBZ“ und der rechten Fangruppierung „SGD Supporters Bautzen“. Pöthig bewegt sich vor allem im Umfeld der Kameradschaftsszene, und dass schon seit Jahren. Am 1. Mai 2009 reihte sich Pöthig hinter einem Transparent der „Freien Nationalisten Dresden / Osterzgebirge“ ein, auf dem gefordert wurde: „Zukunft und Heimat schützen – Gegen Globalisierung und Kapitalismus“. Am 23. August 2014 nahm er an einer von der damaligen NPD-Stadträtin Daniela Stamm angemeldeten Demonstration teil, die sich „gegen Asylanten-Unwesen in Bautzen“ richtet. Hier lief Pöthig im Block der „Freien Kräfte Bautzen“, auf deren Transparent die Losung prangte „Heimat und Kultur bewahren – Gegen das Asylverfahren“. Der Kampfsportler scheint dem Boxen nicht nur im Ring nachzugehen. Am 11. Juni 2016 posierten er und andere Hooligans aus dem Umfeld der SG Dynamo Dresden vor dem Hauptbahnhof in Lille zur Fußballeuropameisterschaft mit einer Reichskriegsflagge. Eine Person aus der Gruppe zeigte den Hitlergruß. Der Bahnhofsvorplatz war damals Treffpunkt deutscher Fans, die passend zur Flagge „Wir sind wieder einmarschiert“ grölten und im Verlauf des Abends ukrainische Fans mit Schlägen und Tritten attackierten, sowie ein Café demolierten. Brisant an Pöthig: Der überzeugte Nazi hat eine Beamtenlaufbahn eingeschlagen. Er absolvierte sein Studium an der Verwaltungsfachhochschule in Meißen im Bereich Staatsfinanzverwaltung bzw. Steuerverwaltung. Anschließend wechselte er zum Finanzamt Hoyerswerda. Ein Bericht der Lausitzer Rundschau thematisiert seine Arbeit Anfang 2015, bei der er Schulklassen besucht, um Schüler*innen einen Schnellkurs in Sachen Steuern zu geben. Mittlerweile hat Pöthig bereits die nächste Karrierestufe erklommen und arbeitet im Sächsischen Ministerium der Finanzen im Dresdner Regierungsviertel. Pöthig war aber kein Einzelfall auf der Boxnacht. Mit Johannes Schönfelder ist ein weiterer Bautzner Kämpfer auf dem Lille-Foto von 2016 zu erkennen. Der Bautzner Nazi war außerdem gemeinsam mit Florian Otto am Angriff auf eine DGB-Kundgebung am 1. Mai 2015 in Weimar beteiligt. Damals stürmten 40 Nazis die Kundgebung und verletzten mindestens einen Gewerkschafter.

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