»Honeypot«: Künstler schalten »Online-Pranger« gegen Rechtsextreme ab

Aktivisten erklären mit Website Daten über Neonazis gesammelt zu haben und laden Innenminister auf einen Kaffee ein Die Künstler- und Aktivistengruppe »Zentrum für politische Schönheit« (ZPS) hat ihren umstrittenen »Online-Pranger« gegen mutmaßliche Neonazis beendet. Am Mittwoch wurden sämtliche Fotos von mutmaßlichen Rechtsextremisten, die an den rechten Demonstrationen und Krawallen Ende August in Chemnitz beteiligt gewesen sein sollen, von der Website soko-chemnitz.de heruntergenommen. Stattdessen bedankt sich das ZPS auf der Seite bei zahlreichen Neonazis, die sich durch die Betätigung der Suchfunktion auf der Internetseite selbst entlarvt hätten. Die Aktion sei ein Erfolg gewesen, sagte ZPS-Gründer Philipp Ruch am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin (…) Insgesamt sind dem ZPS-Gründer zufolge etwa 1.500 Beteiligte an den rechten Demonstrationen in Chemnitz von Ende August identifiziert worden. »Die Aktion war eine Falle, ein sogenannter Honeypot, wie auf der Website jetzt nachlesbar ist«, sagte Ruch. Innerhalb von drei Tagen sei ein »riesiger Datenschatz« entstanden. Über einen Algorithmus könne nun ein breites Netzwerk des Rechtsextremismus in Deutschland abgebildet werden. »Das ist das Relevanteste, was es an Daten in Sachen Rechtsextremismus in Deutschland aktuell gibt«, erklärte Ruch weiter.

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siehe auch: Online-Pranger: «Wir decken nur auf, wo Rechtsextreme arbeiten». Der Schweizer Aktionskünstler Philipp Ruch hat ein Onlineportal gestartet, auf dem man Rechtsextreme melden kann. (…) Der Rechtsextremismus ist, entgegen einer weit verbreiteten Meinung, kein Elementarteil des öffentlichen Diskurses – im Gegenteil: Er ist nicht gesellschaftsfähig. Und zur Demokratie gehört nicht, Rechtsextremismus zu dulden. Das war auch nach 1945 nicht anders, bei der Gründung der Bundesrepublik. Trotzdem trägt es wohl nicht zur Qualität des demokratischen Dialogs mit Rechtsdenkern bei, wenn Rechtsradikale gejagt werden und ihre Stelle verlieren? Wir tun das alles nicht für die Rechtsradikalen. Wir tun das für den Fortbestand der demokratischen, weltoffenen und eher unternationalistischen Bundesrepublik Deutschland. Und: Wir decken nur auf, wo Rechtsextreme arbeiten. Entlassen müssen sie die Unternehmen schon selbst; „Soko Chemnitz“: Nazis sollten sich selbst identifizieren. Überraschende Wende bei der Aktion vom Zentrum für politische Schönheit: Mit dem Online-Pranger sollten Rechtsextreme angelockt werden. Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) hat seine umstrittene Denunziationsplattform „Soko Chemnitz“ aufgelöst und für eine überraschende Wendung gesorgt: Ziel der Seite sei es gewesen, dass sich Rechtsextreme durch Suchen ihres Namens selbst identifizieren. Die Aktivisten und Aktionskünstler hatten am Montag die Webseite freigeschaltet und dazu aufgerufen, mögliche Straftäter und Rechtsextreme, die sich bei den Chemnitz-Demonstrationen Ende Augst beteiligt hätten, zu melden . Dafür versprach das ZPS finanzielle Belohnung. Suchfunktion auf soko-chemnitz war das eigentliche Ziel Nun stellt sich heraus: Die Aktion war ein „Honigtopf“, eine gezielte Ablenkung mit einem anderen Ziel: „Ihr liefert uns Euer gesamtes Netzwerk selbst aus und zwar ohne es zu merken. Das wichtigste Element dieser Seite: die Suchfunktion. Über die Suche habt Ihr uns mehr mitgeteilt, als öffentlich zugängliche Quellen je verraten hätten“, schreibt das ZPS auf der Soko-Chemnitz-Seite. Süffisant bedankt sich das ZPS zudem bei den Rechtsextremen für deren Mithilfe und für „das vorzeitige Weihnachtsgeschenk“. Wohl 2,5 Millionen Besucher der Webseite Über 2,5 Millionen Besucher habe die Seite in den knapp drei Tagen, in denen sie online war, gezählt, teilte das ZPS auf Anfrage mit. „Wir werden nun diesen riesen Datensatz gemäß der Datenschutzgrundverordnung auswerten“, sagte ZPS-Aktivistin Zora Kich unserer Redaktion.

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