Waffen und Sprengstoff im Wald

Eine interne Liste der Kripo nennt 38 Standorte für Munitions- und Waffendepots. 14 Verstecke sind noch unentdeckt. Die Polizei stellt dennoch die Ermittlungen ein. Der rechte Waffensammler Michael Krause, der sich bei einer Polizeikontrolle im Mai 2008 in Bayreuth selbst erschossen hat, hat 38 geheime Depots angelegt, die auch Waffen und Sprengstoff enthielten. Unsere Zeitung veröffentlicht erstmals Auszüge der internen Liste der Verstecke, die von der Kripo Bayreuth erstellt wurde. Der Fall bleibt rätselhaft, doch es wird keine weiteren Ermittlungen geben, ob Verbindungen zum NSU bestehen. Die Erddepots im Wald hatte Krause auf verschlüsselten Listen aufgeführt, auch deren Inhalte waren benannt. Im Oktober 2008 wurde eines der Depots im Veldensteiner Forst südlich von Pegnitz von Spezialkräften des Landeskriminalamtes ausgehoben. Die bislang entdeckten Depots liegen in einer Nord-Süd-Achse in Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Bayern, zwei davon befanden sich in Österreich. Die Kriminalpolizei Bayreuth, die in dem Fall ermittelte und auch einen Teil der Funde verwahrt, hatte ein “Verzeichnis der aufgefundenen Gegenstände aus den Depots” angefertigt, das unserer Zeitung vorliegt. Das Papier umfasst fünf Seiten und listet alle 38 Verstecke auf.
Im Veldensteiner Forst wurden demnach unter anderem 50 Patronen des Kalibers 7,65 Millimeter, die Skizzenblätter der 38 Verstecke sowie eine “Feindnamenliste” gefunden, auf der Politiker, Polizeibeamte und Richter stehen sollen. Im Erddepot in Dürrnberg wurden zwei große und zwei kleine Handgranaten gefunden. In Münchenreuth wurden zwei große Handgranaten entdeckt. In Töpen im Landkreis Hof stieß die Polizei auf einen Sprengbehälter mit 6,7 Litern Inhalt (Feuerlöscher) und einen Sprengbehälter mit 6,9 Litern Inhalt (Gas). In Volksmannsgrün im Landkreis Hof wurde im Waldboden ein Sprengbehälter mit 10,8 Litern Inhalt gefunden. In Rehau-Regnitzlosau entdeckten die Beamten einen Sprengbehälter mit fünf Litern Volumen. Ein Erddepot bei Kirchenlamitz im Landkreis Wunsiedel war mit Schlafsack, Zelt, Bekleidung, Taschenlampe und Feldflasche gefüllt. Zwei Depots befanden sich in Gutenfürst an der früheren innerdeutschen Grenze, darin waren unter anderem eine Dynamit-Schnur, “Kampfschalterteile”, ein Coltmagazin und Bekleidung sowie ein Zelt enthalten. Bei Bischofsgrün lagen im Erddepot elektrische und mechanische Zeitzünder, fünf Gramm Schwarzpulver sowie eine Piratenflagge. Sämtliche Sprengbehälter seien bereits mit Zündern versehen und “voll funktionstüchtig” gewesen, teilte das Bundesinnenministerium im Oktober 2009 auf eine Bundestagsanfrage mit. Bei Krause handle es sich um einen “Einzeltäter” ohne staatsschutzrelevanten Hintergrund. Seine Motivation zur Sammlung beziehungsweise Lagerung der Gegenstände “ist ungeklärt”. 14 Verstecke wurden laut der Aufstellung der Kripo noch nicht gefunden. Zwei davon hatte Krause offenbar schon aufgelöst. Im Depot in Mittenwald hatte er als Inhalt “Skizzenblätter 1-29” angegeben, es ist ebenfalls noch nicht entdeckt. Dieser Vermerk könnte auf 29 weitere Verstecke hindeuten. Auch das Bundeskriminalamt sah keine Bezüge zum NSU, vielmehr müsse davon ausgegangen werden, dass Krause aufgrund seiner paranoiden Psychose “aufgerüstet hat, um sich verteidigen zu können”. Bei Krause wurden eine Ceska 7,65 Millimeter, eine Ceska 6,35 Millimeter und eine Walther PPK sichergestellt. Die entscheidende Frage ist, wie der Obdachlose Krause, der zuletzt mit dem Fahrrad unterwegs war, diese Depots anlegen und die Sprengsätze herstellen konnte.

via frankenpost: Waffen und Sprengstoff im Wald

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