Abschied von der #Steinkohle – Das Gold von gestern

Wohlstand, Wärme und Wohlbehagen dank Koks und Kohle – nach dem Krieg ist das Ruhrgebiet der Energielieferant der Nation. Der Bergbau ist ein gefragter Arbeitgeber. Doch dann kommt die Krise. Ein Rückblick. Nach dem Krieg ist Kohle knapp. Der Bedarf ist riesig, in den Fabriken sowie bei der Bevölkerung. Den Ruhr-Zechen wurde damals jede Tonne Kohle aus den Händen gerissen. “Alle Leute wissen, dass man die Kohle unbedingt braucht. Alle wissen, Europa muss wieder aufgebaut werden – und das geht nur mit Kohle”, sagt der Wirtschaftshistoriker Franz-Josef Brüggemeier rückblickend. Das Ruhrgebiet wird das größte Kohlerevier Europas, der Energielieferant der Nation. Die Stahlindustrie, die Chemieindustrie, die Eisenbahn, fast jede Fabrik braucht die Steinkohle für ihre Energie. (…) An der Ruhr liegt die Kohle über 1000 Meter tief. Das macht die Förderung extrem teuer. Importkohle kostet nur etwa die Hälfte. Nur dank milliardenschwerer Subventionen des Staates kann der heimische Bergbau überleben. Milliarden fließen in den Bergbau. Vor einer radikalen Subventionskürzung schreckt die Politik lange zurück. 1997 kämpfen Tausende Bergarbeiter um ihren Job. Das Ende des deutschen Bergbaus kommt trotzdem – aber langsam und sozialverträglich. 2007 beschließen Politik, Ruhrkohle und Gewerkschaften die Subventionen auslaufen zu lassen. Es ist eine Errungenschaft der Gewerkschaft. Den damals noch 33.000 Bergleuten wird zugesagt dass es keine Kündigungen gibt. Schließt eine Zeche, wechseln die Kumpel auf eine andere Anlage – so lange, bis sie mit 49 Jahren in Vorruhestand gehen können. Insgesamt, so rechnet man damals aus, sind dafür genau elf Jahre und weitere 15 Milliarden Euro nötig. Und so kommt man auf das Jahr 2018.

via tagesschau: Abschied von der Steinkohle Das Gold von gestern

siehe auch: Deutschlands halber Steinkohle-Ausstieg. Probleme ignorieren, Kohle importieren. Heute schließt Prosper-Haniel, die letzte Steinkohle-Zeche Deutschlands. Auch wenn in Deutschland nun keine Steinkohle mehr abgebaut wird – verbrannt wird immer noch welche. Abgebaut wird sie unter fragwürdigen Bedingungen (…) Nichtregierungsorganisationen kritisieren immer wieder, dass die Kohle, die Deutschland importiert, unter bedenklichen Bedingungen abgebaut wird. Armin Paasch, Politikreferent beim katholischen Hilfswerk Misereor, findet es falsch, dass Deutschland Kohle aus Ländern wie Kolumbien und Südafrika importiert. “In Kolumbien ist vor allem der hohe Wasserverbrauch ein Problem”, erläutert Paasch. Im Tagebau El Cerrejón betrage er 48 Millionen Liter am Tag. “Das hat in der Region La Guajira eine Dürre verschärft, an der von 2005 bis 2015 5.000 Kinder gestorben sind.” Ein weiteres Problem seien die Vertreibungen. “In einem Ort in der Region La Guajira, Tabaco, wurden 300 Menschen vertrieben. Außerdem werden dort Umweltaktivisten und Gewerkschafter immer noch verfolgt”, sagt Paasch. Die Tagebaue – ob in Kolumbien, Südafrika oder Russland – verursachen außerdem Luftverschmutzung, unter der die lokale Bevölkerung leidet. Misereor fordert deshalb, dass Deutschland komplett aus der Kohleverstromung aussteigt, damit auch die Importe ein Ende haben. Wie genau es mit der Steinkohle in Deutschland weitergeht, ist allerdings noch nicht klar. Die drei in der Kohlekommission vertretenen Umweltverbände BUND, Greenpeace und der Dachverband DNR schlagen vor, dass bis zum Jahr 2022 alte Steinkohlewerke mit einer Kapazität von 8.600 Megawatt vom Netz gehen sollen – knapp die Hälfte dessen, was momentan am Netz ist. Die Kommission wird voraussichtlich im Februar einen Vorschlag zum Kohleausstieg vorlegen.

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