#Hertha BSC in #NS-Zeiten – Zwangsweise auf dem Platz – #zwangsarbeit

Als den Vereinen im Zuge des Weltkrieges die Spieler ausgehen, werden auch Zwangsarbeiter eingesetzt. So wie Bram Appel als Stürmer bei Hertha. Als Hertha BSC 1944 inmitten von Kriegswirren, Hunger und Bombenangriffen die Gaumeisterschaft von Berlin-Brandenburg gewinnt, weiß kaum jemand, wie dieser begabte junge Mittelstürmer eigentlich in den Verein fand. Bram Appel, 23-jähriger Niederländer, schießt in 14 Einsätzen 12 Tore und verhilft Hertha damit maßgeblich zum Titel. Appel allerdings ist nicht freiwillig nach Deutschland gekommen: Er wurde als Zwangsarbeiter während der deutschen Besatzung aus den Niederlanden nach Berlin deportiert. Wie schätzungsweise 26 Millionen andere Männer, Frauen und Kinder, die in der NS-Zeit vom Regime zur Zwangsarbeit verschleppt wurden.
Die deutsche Presse erwähnt Appels Geschichte nicht. Manche Zeitungen nennen ihn beim zweiten Vornamen Leo, das klingt weniger jüdisch als Bram. Die Tätigkeit bei Hertha rettet dem jungen Zwangsarbeiter möglicherweise das Leben. Und sie ist Teil eines kaum beleuchteten Aspektes der deutschen Sportgeschichte. „Zwangsarbeit und Sport, das ist noch ein weitgehend unbekanntes Thema“, sagt Christine Glauning, Leiterin des Dokumentationszentrums NS-Zwangs­arbeit in Niederschöneweide. Das liege vor allem daran, dass Zwangsarbeit über Jahrzehnte nicht als NS-Unrecht anerkannt war. Man habe sie für ein legitimes Mittel gegen Arbeitskräftemangel im Krieg gehalten und kein Unrechtsbewusstsein gehabt. „Wir merken immer noch, dass vielen Besuchern überhaupt nicht bewusst ist, wie flächendeckend und alltäglich Zwangsarbeit war.“

via taz: Hertha BSC in NS-Zeiten – Zwangsweise auf dem Platz

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