Johann #Trollmann: Die Tragödie eines sinto-deutschen Boxers – #remember #thisdayinhistory – Geboren 27.12.1907

Am 9. Juni 1933 feierte der Sinto–Deutsche Johann Trollmann seinen größten sportlichen Erfolg – er gewann die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewichtsboxen. Im Biergarten einer Brauerei besiegte er Adolf Witt klar nach Punkten. Boxkämpfe vor großem Publikum unter freiem Himmel waren damals keine Seltenheit. In der Weimarer Zeit wurde der Boxsport populär. Zuvor als proletarische »Klopperei« abgetan, verhalfen Ausnahmesportler wie Trollmann Box-Veranstaltungen zu ihrem gesellschaftlichen Ansehen. Auch Hans Albers und Bertolt Brecht saßen bei seinen Kämpfen am Ring. Trollmann, 1907 bei Hannover geboren, bot Faustfechten statt einer stumpfen Prügelei: Sein tänzelnder beweglicher Boxstil verhalf ihm zu dem Spitznamen »Rukeli«, was auf Sinto soviel wie »biegsames Bäumchen« bedeutet. Anstatt unbeweglich auf den Gegner einzudreschen, wie die meisten Boxer, wich der drahtige junge Mann mit Pendelbewegungen und flinken Schritten seinen Gegnern aus und setzte blitzschnell seine eigenen Schläge, ansatzlos und sauber platziert. Während der Kämpfe spaßte er mit dem Publikum, warf Frauen eine Kusshand zu – und den dazwischen grölenden Männern eine passende Antwort an den Kopf. Mit seiner schwarzen Lockenmähne und den schönen braunen Augen avancierte der groß gewachsene Athlet zum Sexsymbol und Publikumsliebling. Wenn Trollmann durch den Ring tänzelte, wirkte alles an ihm leicht und unbeschwert. Doch nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler im Januar 1933 erging es Trollmann kaum anders als vielen Musiker_innen, Maler_innen oder Schriftsteller_innen. (…) Im Frühjahr 1934 musste er seine Profiboxerkarriere zwangsweise beenden. In den folgenden Jahren waren Trollmann und seine Familie von der fortschreitenden Ausgrenzung und Diskriminierung der Roma und Sinti betroffen. Einige Familienangehörige wurden zwangssterilisiert, andere interniert. Er selbst schlug sich als Kellner und Rummelboxer durch. Im September 1938 ließ sich Trollmann von seiner Frau Olga scheiden, in der Hoffnung, sie und die gemeinsame Tochter so vor Verfolgung zu schützen. Zu diesem Zeitpunkt standen so genannte Zigeunermischlinge unter besonderer Beobachtung nationalsozialistischer Rassenkundler und der Reichskriminalpolizei. Im November 1939 wurde Trollmann in die Wehrmacht einberufen; von den Kämpfen fürs Vaterland waren die Sinti und Roma noch nicht ausgeschlossen. Nachdem er als Infanterist in Polen, Belgien und Frankreich stationiert war, wurde er im Frühjahr 1941 an die Ostfront geschickt, wo er nach dem Überfall auf die Sowjetunion verwundet wurde. Zeitgleich fanden die ersten Massenerschießungen sowjetischer Sinti und Roma statt. 1942 gab das Oberkommando der Wehrmacht einen Erlass heraus, der Sinti und Roma aus »rassenpolitischen Gründen« vom Wehrdienst ausschloss; auch Trollmann wurde aus der Wehrmacht entlassen. Mehrere Angehörige seiner Familie waren zu diesem Zeitpunkt bereits in Arbeitslagern inhaftiert und mussten Zwangsarbeit leisten.
Im Juni 1942 wurde Trollmann in Hannover verhaftet und in die berüchtigte »Zigeunerzentrale« gebracht, wo man ihn schwer misshandelte. Von dort aus wurde er im Oktober in das KZ Neuengamme bei Hamburg deportiert. . (…) Die Familie Trollmanns erlebte im Nachkriegsdeutschland ein typisches Schicksal für Roma und Sinti. Es gab weder eine Entschädigung noch eine Anerkennung für die erlittene Verfolgung. Im Gegenteil, die Deportationen in die Konzentrationslager wurden immer wieder als kriminalpolizeiliche Präventionsmaßnahme gerechtfertigt.

via aib: Johann Trollmann: Die Tragödie eines sinto-deutschen Boxers

siehe auch: Vergessenes Denkmal neben dem Festspielhaus Hellerau. Seit 2012 besitzt Dresden ein kaum bekanntes Denkmal für den Boxer Johann Wilhelm „Rukeli“ Trollmann neben dem Festspielhaus Hellerau. Im Rahmen einer gewünschten Erinnerungskultur ein mehr als unwürdiger Standort, der einst nur temporär gedacht war und nun dauerhaft die Lösung ist. Es ist farblos, halb verborgen durch Bäume und fällt dem Besucher neben dem riesigen Festspielhaus Hellerau kaum ins Auge: Seit 2012 besitzt Dresden ein fast unbekanntes Denkmal für den Boxer Johann Wilhelm „Rukeli“ Trollmann. Der Sinto-Deutsche war 1933 Deutscher Meister im Halbschwergewicht geworden. Der Titel wurde dem „nicht-arischen“ Sportler jedoch wenige Wochen nach seinem Erfolg vom NS-Regime aberkannt.

Johann Wilhelm Trollmann, 1928
Von Hans Firzlaff – sintiundroma.de, Gemeinfrei, Link

website zu johann trollmannBroschüre: Johann Trollmann, genannt „Rukelie” (PDF)

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