Hitler-Gegnerinnen, die weitgehend vergessen sind

Viele Frauen waren im Widerstand gegen die Nationalsozialisten in München aktiv, ihre Namen kennt heute aber kaum jemand. Das liegt auch an traditionellen Rollenbildern. Centa Herker-Beimler hat sich nie einschüchtern lassen. Schon als 17-Jährige war die Münchner Kommunistin mit den Nazis aneinandergeraten. Im Frühjahr 1933, als sie 24 war, verteilte sie dann Flugblätter gegen das Regime; dafür sperrten sie die Nazis fast vier Jahre lang ein, erst in Stadelheim, dann im Konzentrationslager Moringen – so lange, bis ihr Mann, der KPD-Funktionär Hans Beimler, in Spanien im Kampf gegen Franco gefallen war. Die Witwe blieb der Gestapo verdächtig. Nach dem gescheiterten Attentat Georg Elsers auf Hitler wurde sie 1939 für vier Wochen eingesperrt. Dennoch ging sie wenig später wieder in den Widerstand.
Im Jahr 1941, nach dem Überfall auf die Sowjetunion, beschloss Centa Beimler, erneut zu handeln. Die Münchner Kommunisten mieden sie zwar, um nicht ebenfalls ins Visier der Gestapo zu geraten; so fuhr Beimler eben nach Augsburg, um Kontakte zu knüpfen und eine antifaschistische Gruppe aufzubauen. Erfolg hatte sie nicht; die Nazis sperrten sie weitere sieben Monate ein, bis ihr Arbeitgeber sie frei bekam. Daraufhin half sie 1943 Zwangsarbeitern im Kohlebergbau in Penzberg. Nach dem Krieg zog sie sich zurück. Vom Kampf gegen die Nazis erzählte sie erst viel später. Centa Herker-Beimler ist eine von vielen Frauen, die in München Widerstand gegen die Nationalsozialisten geleistet haben, deren Namen aber heute kaum jemand kennt. Es sind Frauen gewesen wie Lotte Branz, die Verfolgte ins Ausland und Schriften der Exil-SPD zurück ins Deutsche Reich schmuggelte, oder Frauen wie Paula Frieb, die Regimegegner versteckte und Waffen sowie Nachrichten ausländischer Radiosender an Widerständler weiterleitete. Es waren Frauen wie Margot Linsert, die Flugblätter vervielfältigte und verteilte und in deren Lebensmittelladen in Laim sich Mitglieder des “Internationalen Sozialistischen Kampfbundes” treffen konnten. Und es waren Frauen wie Marie-Luise Schultze-Jahn, die das Werk der “Weißen Rose” weiterzuführen versuchte, nachdem der Kern der Gruppe 1943 hingerichtet worden war. Die Reihe ließe sich lange fortsetzen; doch abgesehen von Sophie Scholl, die als Gesicht der “Weißen Rose” noch immer präsent ist, sind die Frauen gegen Hitler heute weitgehend vergessen.
Dabei unterschied sich der Widerstand der Frauen nicht wesentlich von dem der Männer. Frauen waren selten Attentäterinnen, und sie waren nicht in der Position, einen Staatsstreich zu wagen wie die Offiziere des 20. Juli 1944. Doch bewaffnete Aktionen würden in der Geschichte des deutschen Widerstands “ohnehin allenfalls eine verschwindend geringe Rolle” spielen, erklärt Jürgen Zarusky, Historiker am Institut für Zeitgeschichte in München. Die Nazis seien von 1933 an zu erfolgreich darin gewesen, die Organisationen der Linken zu zerschlagen. In den meisten Fällen bedeutete Widerstand vielmehr, Propaganda zu verbreiten – und daran beteiligten sich Frauen ebenso wie Männer.

via sz: Hitler-Gegnerinnen, die weitgehend vergessen sind

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