Rechtsextremismus: Tatwaffe Auto

Das Auto als Waffe? Viele verbinden damit islamistische Anschläge. Doch auch deutsche Rechtsextreme haben seit 1985 Autos für Angriffe benutzt. Ein Überblick. (…) In dieser Woche steuerte ein Autofahrer in Bottrop und Essen seinen Wagen mehrfach auf ausländisch aussehende Passanten, verletzte einige schwer und äußerte sich nach seiner Festnahme mehrfach rassistisch. Auch wenn noch unklar ist, inwieweit seine Schuldfähigkeit durch eine psychische Erkrankung beeinflusst sein könnte und der Täter offenbar nicht aktives Mitglied der rechtsextremen Szene war: Es wäre nicht das erste Mal, dass Rassisten sich dieser Form der Gewalt bedienen. Bereits seit 1985 sind Fälle dokumentiert, bei denen Rassisten und Rechtsextreme in Deutschland Fahrzeuge für Angriffe auf vermeintliche Ausländer, politische Gegner und linke Fußballfans benutzt haben.
Eines der ersten Opfer einer Autoattacken war Ramazan Avcı, 26 Jahre alt. Kurz vor Weihnachten 1985, am 21.12., werden der türkischstämmige Mann und seine Begleiter von Neonazis aus einer Hamburger Kneipe heraus angegriffen und mit Flaschen beworfen. Wenig später verfolgen die Neonazis Avcı mit ihrem Auto, fahren ihn an, sodass der junge Mann unter dem Auto eingeklemmt wird. Die Täter prügeln weiter auf ihn ein. (…) Am 26. Mai 1993 folgt eine weitere Autoattacke: Auf der Autobahn von Dresden nach Berlin stirbt der deutsch-ägyptische Schauspieler Jeff Dominiak. Nachdem ein 17-jähriger Neonazi den DDR-Jugendfilmstar zwei mal mit einem gestohlenen Pkw rammt, hält Dominiak mit seinem Motorrad auf der Raststätte Waldeck. Dort überfährt ihn der angetrunkene Neonazi. Der Angreifer wird in einem Jugendprozess zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Offiziell gilt Jeff Dominiak nicht als Opfer rechter Gewalt, weil die Gerichtsakten bei einer nachträglichen Prüfung durch das Moses Mendelssohn Zentrum nicht mehr verfügbar waren. Das Zentrum war beauftragt worden, nachträglich mögliche rassistische Motive bei Straftaten zu überprüfen. Bei Jugendprozessen werden die Akten aber nach einer Aufbewahrungsfrist gelöscht.

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