Wie rechte Terroristen die “Holocaust”-Ausstrahlung vor 40 Jahren verhindern wollten – #terror

Rechtsterroristen wollten durch Sprengstoffanschläge auf die Sendeanlagen Koblenz (r.) und im Münsterland 1979 die Ausstrahlung der Serie “Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss” verhindern. Rund eine Million Zuschauer sahen den Auftakt der vierteiligen Fernsehserie “Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss” im NDR und WDR Anfang der Woche. Vor allem viele jüngere Zuschauer dürften die fiktive Geschichte der jüdischen Arztfamilie zum ersten Mal gesehen haben, ältere könnten sich erinnert fühlen an das Jahr 1979. Seinerzeit feierte der Vierteiler in den Dritten Programmen der ARD Premiere in Deutschland, die Serie wurde ein Straßenfeger. Fast jeder zweite Erwachsene sah zwischen dem 22. und dem 26. Januar mindestens eine Folge. In vielen Schulen standen Diskussionen über die Serie auf dem Stundenplan. Es war vor allem die Art der Darstellung des Holocausts, die neu war: Die unvorstellbaren Schrecken des Völkermords, eingebettet in eine fiktive Geschichte. Viele verstanden durch die Serie zum ersten Mal die Tragweite der beispiellosen Verbrechen der Nationalsozialisten. Genau das wollten im Winter 1979 Rechtsterroristen verhindern. Am 18. Januar um 20.15 Uhr strahlte die ARD im Vorfeld des Vierteilers die Dokumentation “Endlösung. Judenverfolgung in Deutschland 1933-1945”. Nach einer knappen halben Stunde erlosch das Fernsehprogramm auf Hunderttausenden Bildschirmen.
Serie Holocaust “Gestern Abend um 20.40 Uhr wurden durch eine Sprengstoffdetonation die Leitungen zum Südwestfunksender Koblenz am Fuße des 280 Meter hohen Sendemastes für das erste Fernsehprogramm sowie für die drei Hörfunkprogramme zerstört. Damit fielen alle Programme des Südwestfunks über den Sender Koblenz und die nachgeschalteten Sender Linz und Bad Marienberg sowie über 100 Füllsender aus”, vermeldete der damalige Südwestfunk im Radio am nächsten Tag. Auch im Münsterland gab es eine Explosion. Am Longinusturm in Baumberge zerstörte die Detonation Fernmeldeanlagen der Bundespost, die Sendeanlagen für das Fernsehen waren jedoch nicht betroffen. Verletzt wurde bei den Anschlägen niemand. Schnell vermuteten die Ermittler einen terroristischen Hintergrund, denn in rechten Publikationen wurde in den Tagen zuvor zur Sabotage aufgerufen. Jeder “anständige Deutsche” sei aufgefordert, die Ausstrahlung der TV-Serie zu verhindern, hieß es unter anderem darin. Der Generalbundesanwalt und das Bundeskriminalamt übernahmen die Ermittlungen. (…) Erst 1987 nahm die Polizei den Täter fest, auch durch Informationen eines Stasi-Doppelagenten und durch die Auswertung von Spuren in einem ausgehobenen Waffendepot: Peter Naumann aus Wiesbaden, damals Mitte 30, studierter Chemiker, langjähriger Funktionär der NPD-Jugendorganisation JN, Rechtsterrorist. Er galt in Neonazi-Kreisen als “Bombenhirn” und wollte seine Fertigkeiten nutzen, um gemeinsam mit Komplizen die Sendeanlagen zu zerstören und so die Ausstrahlung von “Holocaust” verhindern. (…) Nach seiner Haftentlassung wurde Peter Naumann wieder für die NPD aktiv.

via stern: Wie rechte Terroristen die “Holocaust”-Ausstrahlung vor 40 Jahren verhindern wollten

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