Die esoterische Anastasia-Bewegung – Der Traum der arischen Öko-Gemeinschaft

Die Anastasia-Bewegung aus Russland breitet sich auch in Deutschland weiter aus. In ihren Reihen finden sich Esoterikerinnen, Ökos und Reichsbürgerinnen wieder, aber auch Rechtsextreme können der Bewegung – nicht zuletzt wegen ihrer Blut-und-Boden-Ideologie – etwas abgewinnen. Ihre Anhänger*innen vernetzen sich zunehmend und versuchen, Schulen zu gründen. Ein Ausflug in eine krude und antisemitische Welt. Auf den ersten Blick geht es bei der Anastasia-Bewegung um ökologische und nachhaltige Landwirtschaft und Lebensweisen. Schaut man sich die Ideologie dieser esoterischen Bewegung genauer an, stößt man jedoch schnell auf eine verfassungsfeindliches, rassistisches und antisemitisches Gedankenwelt. Die neu-esoterische Anastasia-Bewegung fungiert als Sammelbecken verschiedener Esoterikerinnen, die in ihren Reihen Mitglieder duldet, die offen rechtsextrem auftreten und den Holocaust leugnen. „Die klingenden Zedern Russlands“ Die Anastasia-Bewegung beruht auf der Buchreihe „Die klingenden Zedern Russlands“ des russischen Esoterikautors Wladimir Nikolaevich Megre ( 1950). Benannt ist die Bewegung nach dem zweiten Teil der zehnbändigen Reihe, die zwischen 1996 und 2010 erschienen und zwischen 1999 und 2011 auf Deutsch übersetzt wurde. Laut Aussagen des Autors wurden weltweit bereits 11 Millionen Exemplare verkauft. (…) Ein zentraler Punkt dieser Bewegung ist der sogenannte „Familienlandsitz“, Anhänger*innen sollen auf ihrem eigenen Stück Land möglichst selbstverwaltet leben. Jede Familie, die ganz klassisch aus Frau, Mann und Kindern besteht, soll ein Hektar Land bewirtschaften, auf dem alles für das Leben Nötige angebaut wird. So brauchen diese isolierten Familien nicht mit der angeblich schädlichen Außenwelt in Kontakt treten. Angeblich gibt es über 370 dieser „Familienlandsitze“ in Russland, neun in Deutschland, zwei in der Schweiz, je einer in Tschechien, Weißrussland, Italien, Ungarn und Peru. (…)
Die völkisch-esoterischen Siedlerinnen, deren staatsfeindliche Ideologie näher an der deutschen Reichsbürgerbewegung liegt als bei den Hippies, nach denen sie aussehen, geraten mehr und mehr ins Visier von Verfassungsschutzbehörden, Sekten- und Rechtsextremismusexpertinnen. Marius Hellwig, Experte der Amadeu Antonio Stiftung zum Thema Völkische Siedlerinnen, beobachtet seit längerem, dass rechtsextreme Ideologien verstärkt in ökologische und esoterische Bewegungen einfließen: “In den letzten Monaten erreichten uns immer mehr Anfragen von Menschen, die in ökologischen oder bio-landwirtschaftlichen Kontexten aktiv sind und dort mit der Anastasia-Bewegung konfrontiert werden. Aktuell herrscht eine hohe Unsicherheit darin, die Gruppierung einzuordnen und zu bewerten. Es lässt sich jedoch ganz deutlich aufzeigen, dass in der Szene spirituelle und esoterische Inhalte unter völkischen, naturromantischen und antimodernen Vorzeichen vermittelt werden. Hierin bestehen eindeutige Einfallstore für menschenfeindliche und antidemokratische Positionen, die offenkundig von einigen rechtsextremen Akteuren in der Szene bewusst genutzt werden.” Antisemitismus Dass diese Bewegung kritisch beäugt werden muss, liegt nicht zuletzt an den unverhohlen antisemitischen und rassistischen Ansichten, die Wladimir Megre in seinen Anastasia-Büchern vertritt. So predigt er von der jüdischen Weltverschwörung und relativiert in seinen Schriften den Holocaust, indem er imaginiert, Jüdinnen und Juden selbst tragen die Schuld an der Shoah. Er bedient eine uralte antisemitische Verschwörungserzählung, wenn er schreibt, die Welt werde seit tausenden Jahren angeblich von einem düsteren Oberpriester beherrscht, einem Leviten. Dieser jüdische Oberpriester soll die anderen Jüdinnen „programmiert“ haben, so dass diese wie eine Art „biologische Roboter“ funktionieren.

via belltower: Die esoterische Anastasia-Bewegung – Der Traum der arischen Öko-Gemeinschaft

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