Orbán ehrt antisemitischen Schriftsteller

Der Schriftsteller Kornel Döbrentei ist durch dumpfen Antisemitismus aufgefallen. Jetzt wurde er mit einem staatlichen Literaturpreis geehrt. Vorgeschlagen hatte ihn Ministerpräsident Viktor Orbán. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat einem für seine antisemitischen Äußerungen bekannten Schriftsteller eine hohe staatliche Ehrung zukommen lassen. Der Dichter und Essayist Kornel Döbrentei erhielt den Lorbeerkranz Ungarns, berichteten ungarische Medien am Mittwoch. Die Auszeichnung wird für schriftstellerische Leistungen vergeben, die Zuerkennung schlägt der Ministerpräsident vor. Döbrentei hatte 2004 in einer Rede bei einem Protest der Rechten erklärt: „Falsche Propheten in Verkleidungen und Masken – nur ihr Bart ist echt – dirigieren den moralischen Holocaust am Ungartum.“ Als sich der Ungarische Schriftstellerverband damals nicht von Döbrentei distanzierte, führte dies zum Austritt von mehr als hundert Mitgliedern, unter ihnen Imre Kertesz, Peter Nadas, Peter Esterhazy, Magda Szabo und György Konrad.
Der 2016 verstorbene Dichter Imre Kertesz, der 2002 den Literaturnobelpreis erhalten hatte, hatte seinerzeit zu Döbrenteis Entgleisung gesagt: „Das ist der alte, klassische, dumme, schlechte und letztendlich nach Auschwitz führende Antisemitismus.“ Das Stereotyp von dem sich verstellenden und verkleidenden, im Hintergrund die Fäden spinnenden Juden, den sein Bart verrate, ist ein Zerrbild, dessen sich Antisemiten häufig bedienen.

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