AfD wählt Stunde um Stunde, Tag um Tag

Der Listenparteitag in Markneukirchen geht an diesem Wochenende in die Verlängerung. Doch auch nach dem ersten Treffen im Februar geht es nicht schneller voran. Groß war der Ärger in der AfD nach dem Parteitag Mitte Februar. Ein Wochenende lang wollte die Partei damals ihre 61 Plätze lange Liste für die Landtagswahl bestimmen, doch dieses Vorhaben scheiterte: Ein Parteitag, dem es an interner Führung mangelte, vergab damals lediglich 18 Plätze. An diesem Wochenende will es die AfD besser machen. Doch dieses Mal wird die Aufstellung erneut zu einer zähen Veranstaltung. Am Samstagabend sind nur wenige zusätzliche Plätze vergeben. Schon am Freitag hatte sich abgezeichnet, dass die AfD abermals in Markneukirchen Probleme bekommen könnte. Das lag zum einen an der Disziplin der angereisten rund 300 Mitglieder. Immer wieder muss der Versammlungsleiter, ein Parteifreund aus NRW, zur Ruhe mahnen. Denn während sich die einzelnen Kandidaten vorstellen sollen, ist es im Saal des Öfteren merklich unruhig. Wieder und wieder bittet der Versammlungsleiter um Ruhe: Kurze Zeit wird es still, dann schnell wieder lauter. Der Parteifreund aus dem Westen fragt schließlich entnervt, was er eigentlich tun müsse oder solle, damit es endlich ruhig werde.
Zum anderen ist der Andrang auf die aussichtsreichen Plätze auf der Landesliste groß. Die AfD liegt bei Umfragen in Sachsen bei 25 Prozent. Selbst Listenplatz 25 hat da Chancen, in den Landtag einzuziehen. Viele Mitglieder wollen es deswegen wissen: Um einen Platz kandidieren häufig sechs, manchmal sieben Personen. Dass jemand von ihnen im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erhält, ist deswegen unwahrscheinlich. Auch in einer Stichwahl kann sich anschließend kaum jemand durchsetzen, weil die einzelnen Kandidaten nicht mehrheitsfähig sind. Viele Mitglieder stimmen in der Stichwahl darum mit Nein – also gegen die Kandidaten. Danach wird die Wahl wieder für neue Kandidaten geöffnet, das Spiel beginnt neu. Es wird so lange gewählt, bis es endlich einen Sieger gibt.
Auch die Wahlkommission kommt irgendwann nicht mehr mit. Wahlgänge müssen gestoppt beziehungsweise annulliert werden. Einmal wird ein Name vergessen, einmal ist der falsche Wahlgang benannt. Über mehrere Stunden zieht sich unter anderem das Votum um Listenplatz 23 hin. Offensichtlich ist dabei, dass Kandidat Arthur Oesterle aus Chemnitz vielen auf dem Parteitag Bauchschmerzen bereitet. Oesterle war Ordner bei “Pro Chemnitz” und auch beim Verein “Heimattreue Niederdorf” aktiv, der in Teilen vom Verfassungsschutz beobachtet wird. “Bevor Missverständnisse aufkommen”, sagt Oesterle, “ja, ich stehe hier für sehr viele Bürgerinitiativen und Bürgerbewegungen aus Sachsen. Und die Menschen, die mit uns auf der Straße waren, haben eine Erfahrung mit mir gemacht: Hinter meinem Rücken stehen sie sicher und sie stehen gut.” Oesterle schafft es aber nicht, den Parteitag auf seine Seite zu ziehen. Wahlgang um Wahlgang tritt er um Platz 23 an, bevor er sich final gegen Christoph Hahn aus dem Kreisverband Zwickau geschlagen geben muss.

via freie presse: AfD wählt Stunde um Stunde, Tag um Tag

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