Rechtsextremer Kampfsport – Trainieren für den Umsturz

Rechtsextremer Kampfsport breitet sich immer selbstbewusster aus. Die Bundesregierung befürchtet Angriffe auf Linke und die Polizei. Es war Ende März, da trafen sich rechtsextreme Kampfsportler im Ruhrgebiet. Man habe ein Selbstverteidigungsseminar abgehalten, zum ersten Mal, verkündigten die Veranstalter, der „Kampf der Nibelungen“, im Anschluss. „Es war wirklich eine klasse Veranstaltung.“ Demnächst würden weitere folgen, auch in anderen Bundesländern. Mal wieder also scheint es gut gelaufen zu sein für die Neonazi-Kämpfer. Schon zuletzt feierte die rechtsextreme Kampfsportszene Erfolge: Zu Turnieren von „Kampf der Nibelungen“ oder „Tiwaz“ kommen inzwischen hunderte Neonazis. Zuletzt, im sächsischen Ostritz, feuerten rund 700 Rechtsextreme Gleichgesinnte an, die sich im Ring prügelten. Und die Behörden konnten nur zuschauen.
Aus ihrer Haltung machen die Kampfsportler keinen Hehl: Man verstehe sich „nicht als Teil eines faulenden politischen Systems“, erklären die „Nibelungen“-Organisatoren. Es gehe darum, dem „System der Versager, der Heuchler und der Schwächlinge den Rücken zu kehren“. Die Bundesregierung blickt inzwischen mit Sorge auf die Szene. Insbesondere in den vergangenen zwei Jahren habe sich der Trend zu Kampfsport „zunehmend verstärkt“, heißt es in einer aktuellen Antwort auf eine Grünen-Anfrage, die der taz vorliegt. Verfolgt werde eine „explizite Strategie, Kampfsport politisch zu nutzen“ – unter den Aspekten der Wehrhaftigkeit und des angeblichen Schutzes von Familie und Heimat. Damit sei es gelungen, eine „weitere ‚rechte‘ Erlebniswelt“ zu schaffen, vergleichbar mit großen Rechtsrockkonzerten, warnt die Regierung.

via taz: Rechtsextremer Kampfsport – Trainieren für den Umsturz