AfD-Streit: Von Wunderheilern und KGB-Spitzeln

Machtkämpfe und Konfliktlinien innerhalb der “Alternative für Deutschland” (AfD) verlaufen nicht nur zwischen Anhängern des „Flügels“ und der vermeintlich gemäßigten „Alternativen Mitte“. Auch andere parteiinterne Interessensverbände bekriegen sich mitunter heftig, wie ein Beispiel aus der norddeutschen Provinz exemplarisch belegt. Es geht um die „Christen in der AfD-Nord“ und diverse Vereinigungen von Russlanddeutschen in der AfD. Die „Christen in der AfD“ (ChrAfD) sind seit der Frühphase der AfD fester innerparteilicher Bestandteil und Sammelbecken des rechtsklerikalen Flügels, der sich für den „Erhalt christlicher Werte“ und der „traditionellen Familie“ sowie gegen „Frühsexualisierung und Abtreibung“ einsetzt. Nach Einschätzung von Lucius Teidelbaum in “Der Rechte Rand” ist die AfD für christliche Rechte dank dieses Zusammenschlusses „ein Instrument zur Umsetzung einer christlich-reaktionären Agenda.“1 (…) Innerhalb der AfD waren Herdts Verbindungen zu rechten Russlanddeutschen und christlichen Sektenführern anonym bekannt gemacht worden. Unter dem Titel „Waldemar Herdt, sein Netzwerk, seine Seilschaften, seine Verbindungen: eine wahrhaft vielseitige Persönlichkeit“ kursierte eine aus Internetrecherchen zusammengestellte Infosammlung eines nicht näher benannten „Autorenkollektivs“ über den AfD-Abgeordneten.2 Der Hauptvorwurf in dem 11-seitigen Dokument lautet, Herdt würde als Teil einer Clique rechter Russlanddeutscher mithilfe unlauterer Methoden versuchen, die Deutungshoheit innerhalb der Community in der AfD zu erlangen und die Partei spalten. Es geht also, wie so oft in der AfD, vor allem um Macht und Posten: Herdt strebe, „immer mit dem Heiligenschein der Christlichkeit und der Humanität, nach den ‚Vertriebenen’ und anderen Minderheiten und sammelt überall, wo es nur geht, ‚Vollmachten’ und Pöstchen“, heißt es in dem Dokument. Da die „Agenda nur wenigen bisher wirklich klar“ sei, soll die Infosammlung darüber aufklären. Und in der Tat sorgte sie nicht nur innerhalb der „ChrAfD“, sondern auch beim Verband „VAdM – Vertriebene, Aussiedler und deutsche Minderheiten in der AfD“ für Unruhe.Die Verbindungen von Herdt zu bekannten Protagonisten der extrem rechten Splittergruppe von Russlanddeutschen, sowohl persönlich als auch organisatorisch, sind zum Teil schon länger bekannt: So unterstützte er Anfang 2017 die Bildung der AfD-Vorfeldorganisation „Koordinierungszentrum der Russlanddeutschen“, die von Heinrich Groth geleitet wurde. Groth taucht seit Jahren in extrem rechten Zusammenhängen auf und leitet den dubiosen Verein „Internationaler Konvent der Russlanddeutschen“. (Vgl. AIB Nr. 115/2.2017) In diesem „Konvent“ sind auch der ehemalige Dürener NPD-Kandidat Johann Thießen sowie der ehemalige Vorsitzende der „Russlanddeutschen in der NPD“ und Vizechef des extrem rechten „ARMINIUS-Bund“, Andrej Triller aktiv. Letztgenannter war ebenfalls an der Gründung des „Koordinierungszentrums“ beteiligt, in dem Herdt bis heute Mitglied ist.

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