Ziviler Ungehorsam – Kardinal knackt Stromkasten für besetztes Haus

Der päpstliche Almosenmeister Krajewsk hat ein von Armen besetztes Haus in Rom verbotenerweise wieder ans Stromnetz angeschlossen – zum Unmut der Rechten. Ausgerüstet mit Taschenlampe und Elektrikerwerkzeug ist Kardinal Konrad Krajewski am späteren Samstagabend in den finsteren Keller hinabgestiegen, hat persönlich die am Stromverteilerkasten angebrachte Plombe zerbrochen und die elektrischen Kabel wieder angeschlossen. Nach diesem Akt des zivilen Ungehorsams ward es um 22 Uhr wieder Licht in dem besetzten Haus an der Via Santa Croce in Gerusalemme in Rom. Sechs Tage lang waren die Bewohner zuvor ohne Strom gewesen, nachdem Techniker des städtischen Elektrizitätswerks wegen unbezahlter Rechnungen in der Höhe von 300.000 Euro die Stromzufuhr gekappt hatten. Das leerstehende ehemalige Verwaltungsgebäude der staatlichen Invalidenversicherung in der Nähe der Lateransbasilika war vor sieben Jahren von bedürftigen Familien und Obdachlosen in Beschlag genommen worden; heute leben dort rund 450 Personen, darunter 100 Kinder. Das Gebäude dient zugleich als alternatives Kulturzentrum. „Als Almosenmeister des Papstes fühlte ich mich zu diesem humanitären Akt verpflichtet“, begründet Krajewski seine verbotene Aktion. Die Situation der Bewohner, von denen jeder Dritte gesundheitliche Probleme habe, sei nach so vielen Tagen ohne Kühlschrank, Warmwasser und Waschmaschine „dramatisch“ gewesen. Der städtische Stromversorger Acea hat umgehend angekündigt, wegen des Aufbrechens der Plombe Anzeige zu erstatten. Der päpstliche Almosenmeister erklärt dazu bloß, dass er für seine Tat „die volle Verantwortung“ übernehme: Deswegen habe er beim Stromverteiler auch seine Visitenkarte hinterlassen. „Jetzt reden wieder alle von Geld, aber das ist doch nicht das zentrale Problem hier“, betont Krajewski. „Die Frage lautet doch vielmehr: Weshalb sind Hunderte Männer, Frauen und Kinder hier? Wie ist es möglich, dass in einer Stadt wie Rom so viele arme Menschen in einer derart misslichen Situation leben müssen?“

via tagesspiegel: Ziviler Ungehorsam Kardinal knackt Stromkasten für besetztes Haus

siehe auch: Ein Kardinal trotzt Salvini. In Handwerkermontur sorgt der „Robin Hood des Papstes“ für Strom in einem besetzten Haus. Roms Obdachlose kennen ihn gut, den Monsignore Konrad Krajewski. Als Papst Franziskus den polnischen Geistlichen vor sechs Jahren zu seinem Almosenbeauftragten ernannte, ermahnte er ihn, nicht am Schreibtisch zu sitzen, sondern auf den Straßen unterwegs zu sein. Genau das tut der Kurienkardinal aus Lodz, der mit 55 Jahren der zweitjüngste im Vatikan ist. Er verteilt nicht nur Spenden an Wohnungslose und macht Ausflüge mit ihnen. Er war es auch, der dafür sorgte, dass Bedürftige unter den Säulengängen des Petersplatzes duschen und sich die Haare schneiden lassen können. Seine Dienstwohnung überließ er vor zwei Jahren einer syrischen Flüchtlingsfamilie und logiert seither im Büro. In der Nacht zum Sonntag ließ sich Krajewski im Dienste der Armen nun sogar zu einer aufsehenerregenden illegalen Aktion hinreißen. Der Monsignore stieg in Arbeitskleidung in den Keller eines seit 2013 besetzten Hauses nahe des römischen Bahnhofs Termini. Dort entfernte er am Stromkasten die Sicherungsplomben, hantierte mit Kabeln und schaltete den seit einer Woche abgestellten Strom wieder ein.

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