Offenbach – Auf Gottes äußerst rechten Pfaden [21.12.2017]

Die kroatisch-katholische Gemeinde in Offenbach bietet nationalistischen Politikern und Publizisten eine Bühne. Warum sollte man sonntags zur Messe gehen? Tomislav Dukic weiß auf diese Frage naturgemäß eine Antwort. Schließlich ist er katholischer Seelsorger. „Weil Ihr nirgends das hören werdet, was Ihr in der Messe hört“, lässt der Leiter der kroatisch-katholischen Gemeinde in Offenbach seine Freunde auf Facebook wissen. „Weil Ihr nirgends das sehen werdet, was Ihr in der Messe seht, weil Ihr nirgends das empfangt, was Ihr in der Messe empfangt (…)“ Es ist ein Appell. Der eindringliche Aufruf eines Geistlichen, der seine Gemeinde auf den „rechten Pfad“ des katholischen Glaubens führen will. Dukic ist ein Seelsorger mit Sendungsbewusstsein – auch in Sachen Politik. Und auch da scheint der Leiter der rund 5000 Mitglieder zählenden kroatischen Gemeinde in Offenbach darum bemüht, seine Gemeinde auf den rechten Pfad zu führen. Man könnte sagen: den äußerst rechten Pfad. Seit Tomislav Dukic im Herbst 2014 die Offenbacher Gemeinde übernommen hat, bietet das Gemeindezentrum immer wieder eine Bühne für kroatische Politiker und Aktivisten vom rechten Rand des politischen Spektrums. (…) Der Umgang mit den Verbrechen der mit Nazi-Deutschland verbündeten kroatischen Ustascha stand auch im Mittelpunkt eines Eklats, der ihn vor acht Jahren in den Fokus kroatischer Medien rückte. Im Juli 2009 besuchte der damalige kroatische Präsident Stjepan Mesic München. Teile der dortigen kroatischen Community nahmen Mesic übel, dass er eine Gedenkveranstaltung im österreichischen Bleiburg als „Ustascha-Party“ bezeichnet hatte. Bei der alljährlich von Tausenden Kroaten besuchten Veranstaltung wird der Opfer eines Massakers kommunistischer Partisanen an fliehenden Ustascha-Soldaten und Zivilisten gedacht. Gleichzeitig werden dabei regelmäßig auch die Ustascha selbst glorifiziert.
2009 war Tomislav Dukic bereits seit sechs Jahren Pfarrer der kroatischen Gemeinde in München. Während seiner Messe soll er kroatischen Medienberichten zufolge zu einer Demonstration gegen Mesic aufgerufen haben. Dies hatte eine Beschwerde des kroatischen Präsidialamts zur Folge. 2011 schließlich wurde Dukic von seiner Stelle in München abberufen; einen politischen Hintergrund kann das zuständige Bistum München auf Anfrage der Frankfurter Rundschau nicht bestätigen. Anschließend blieb Dukic drei Jahre ohne Amt, kroatische Medien sprachen davon, er sei „auf Eis gelegt“ worden. Doch weder die Abberufung noch die dreijährige Zwangspause haben Dukics Sendungsbewusstsein etwas anhaben können. Im Frühjahr 2016 tourt ein Film durch die kroatischen Gemeinden in Stuttgart, auch im Offenbacher Gemeindezentrum wird er am 22. April vorgeführt. In der Pseudodokumentation „Jasenovac – die Wahrheit“ wird, untermauert durch zahlreiche Falschbehauptungen und Bildfälschungen, behauptet, dass es sich beim größten KZ der Ustascha im Ort Jasenovac nicht um ein Vernichtungslager gehandelt habe. Die die Shoa relativierenden Thesen des Films treffen bei Dukic auf Interesse. Auf Facebook empfiehlt der Seelsorger einen Artikel, in dem behauptet wird, dass es sich bei den Toten von Jasenovac hauptsächlich um von Kommunisten ermordete Ustascha gehandelt habe. Und die waren in seinen Augen nichts anderes als Kämpfer für Kroatien. „Genauso Kroaten wie jene, die 1990 in den Krieg zur Errichtung und Bewahrung des kroatischen Staates gezogen sind“, wie er selbst schreibt.

via fr: Offenbach – Auf Gottes äußerst rechten Pfaden

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