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Der gefallene Star der österreichischen Rechten, Heinz-Christian Strache, zeigte Reue für sein im Ibiza-Video dokumentiertes Verhalten. Die Schuld schob er gleichzeitig bösen, verdeckt agierenden Mächten zu. Das hat Methode. Eine Analyse von Nils Minkmar. Nachdem ihn die ganze Welt beim Versuch beobachten konnte, die Medienlandschaft seiner Heimat durch russische Investitionen nach ungarischem Vorbild umzubauen, beklagt er – in seiner Pressekonferenz am Samstag – die “über das Ausland gespielte” Kampagne. In völliger Verdrehung der Situation skandalisiert er den Umstand der geheimen Aufnahme, ohne das Offensichtliche einzuräumen: Dass es nichts zu senden gegeben hätte, wenn er nicht solche konkreten Pläne zur Umgestaltung Österreichs formuliert hätte. Die einzige Quelle der von ihm richtigerweise so benannten Schmutzkübel ist er selbst. Darum konnte ihn keine Kraft der Welt mehr retten: Er versank mit einem Boot, das er selbst gezimmert hat. Und doch war sein gesamtes Rücktrittsstatement ein Versuch, Verantwortung zu verteilen und anderen zu übertragen.
Manche, wie den israelischen Politikberater Tal Silberstein und den deutschen Satiriker Jan Böhmermann, hat er namentlich erwähnt, vor allem aber erging er sich in Andeutungen. Netzwerke und Gruppierungen nannte er, sodass es schön ominös klingt, ein Horizont voll dunkelgrauer Wolken, in denen jeder ihm geneigte Zuhörer etwas anderes erkennt. Die alle Regeln verändernde, ja sprengende Macht, die die extreme Rechte fasziniert, ist auf solche Projektionen angewiesen. Es muss ja ein Grund genannt werden, weshalb das System zu stürzen ist, und der findet sich am besten in der behaupteten Opferrolle.

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via sz: Kurz verschleiert die eigene Schuld am Desaster. Der Kanzler will durch die Aufkündigung des Regierungsbündnisses tatkräftig erscheinen. Doch er ist es, der Strache und die FPÖ erst salonfähig gemacht hat. Als Österreichs rechte Regierung im Dezember 2017 die Arbeit aufnahm, da wurde nichts weniger versprochen als der Anbruch einer neuen Zeit. “Veränderung” postulierte der junge Kanzler Sebastian Kurz, “Harmonie” versprach er im Duett mit seinem Vize Heinz-Christian Strache, und ein Programm wurde skizziert, das weit hinausreichen sollte über die eine Legislaturperiode, für die diese Koalition aus konservativer ÖVP und rechtspopulistischer FPÖ gewählt war. Doch manche vermeintliche Ära währt dann doch nur kurz. Nach gut 500 Tagen ist Österreichs Regierung nun zerbrochen. Plötzlich und mit großem Knall, einerseits. Doch andererseits auch sehr folgerichtig angesichts der inneren Widersprüche, die dieses Bündnis von Anbeginn begleitet und belastet haben. Denn das von Süddeutscher Zeitung und Spiegel bekannt gemachte Video, das den Vizekanzler Strache und seinen Partei-Intimus Johann Gudenus in einer Villa auf Ibiza beim abgründigen Austausch mit einer vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte zeigt, war nur der Anlass, nicht der Grund für das Scheitern dieser Regierung. Aus der Falle, die ihnen gestellt worden war, konnten sich Strache und Gudenus nicht mehr befreien, weil sie nicht nur reingelegt, sondern vor allem entlarvt worden sind. Als unter Spaniens Sonne die Maske fiel, da sah man die vorgeblichen Anwälte der kleinen Leute und Beschützer der Heimat plötzlich als zynische Zocker, für die Macht reiner Selbstzweck und der Staat bloße Verfügungsmasse zu sein scheinen. Alle Werte, materielle und immaterielle, wurden im großen Geschacher feilgeboten. Und so bizarr das alles anmutet – es wurde doch dahinter ein kruder Plan erkennbar für den Umbau Österreichs – für eine Verschiebung nach Osten, wo die Menschen Strache zufolge “normal” seien und nicht so “dekadent” wie im Westen. Das Ziel: Ein Staat, wie ihn Viktor Orbán in Ungarn erschaffen hat, in dem die Regierenden die Medien lenken und die Demokratie ausgehöhlt wird. Als “b’soffene G’schicht” hat Strache das alles abzutun versucht. Doch besoffen war er nicht nur an diesem Abend von Champagner und Wodka mit Red Bull. Machtbesoffen haben sich er und seine FPÖ-Riege viel zu oft gezeigt in dieser kurzen Zeit des Regierens. Das fängt an mit einer Außenministerin, der es gefiel, zu ihrer Hochzeitsfeier den russischen Präsidenten Wladimir Putin einzuladen, als müsste sie die Habsburger Heiratspolitik wiederbeleben. Und es hört noch lange nicht auf bei einem Innenminister, der eine Razzia im eigenen Geheimdienst initiiert oder Aufnahmezentren für Asylbewerber in Orwellscher Manier in Ausreisezentren umbenannt hat.

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