Grosse Recherche enthüllt: So täuscht und trickst die AfD auf Twitter

Bei der rechtspopulistischen deutschen Partei AfD ist im grossen Stil mit unsauberen Tricks gearbeitet worden. t-online.de und netzpolitik.org sind bei Recherchen auf absurde Fälle und einen Social-Media-Berater gestossen. Ein «normaler» Wahlkampf Ist das erlaubt? Twitter löscht und schweigt. Der mutmassliche Strippenzieher. Das sagt der Experte Das sagt B. Wer wusste wie viel? Fürs Retweeten bezahlt. Kritiker werden ausgesperrt. AfD-Accounts zu allen europäischen Ländern. Der «Mädchenkongress». Das Fazit . (…) Die AfD versteht sich als Social-Media-Partei. Einer Studie zufolge stammten auf Facebook 85 Prozent aller weiterverbreiteten Beiträge deutscher Parteien von der AfD.Bei Twitter steht sie nicht so gut da. B. legte der AfD in Nordrhein-Westfalen zur Landtagswahl 2017 ein Konzept vor, das t-online.de vorliegt. Angenommen wurde es damals nach t-online.de-Informationen allerdings nicht. Er machte Vorschläge, wer mit ihm in einem Twitter-Team arbeiten sollte. Thomas Röckemann, im Landesverband NRW laut Internetauftritt der Landessprecher, der für die «Koordination aller Aktivitäten» zuständig ist, hat eine Stellungnahme auf Fragen abgelehnt. Seifen gab an, der Landesvorstand habe B. nicht mit der Umsetzung beauftragt. Ihm sei ein «Twitter-Team NRW» nicht bekannt, «es hat auf jeden Fall nichts mit der AfD als Partei zu tun». B. half aber nicht nur mit Accounts aus, die schon Follower hatten, er verschaffte auch grössere Verbreitung und vermeintliche Zustimmung. t-online.de hatte Kontakt zu einer Person, die nach eigenen Angaben mit Vertrag auf Stundenbasis am Fliessband Retweets verschickt hat. Das seien vor allem Accounts von Politikern aus NRW gewesen, aber auch wichtige überregionale Accounts: «Alice Weidel und so». B. hat dazu mit Verweis auf die Verschwiegenheitsverpflichtung nicht Stellung genommen. t-online.de und netzpolitik.org haben ein Phänomen bei zahlreichen Accounts aus der AfD und dem Unterstützerumfeld beobachten können: Tagelang oder wochenlang herrschte Stille, dann wurden in kürzester Zeit hundert und mehr Tweets retweetet, also weitergegeben. Damit steigt die Zahl der Retweets bei den Verfassern des Ursprungstweets. Ist die Zahl hoch, erscheint ein Account vielen Nutzern gewichtiger.
Kritiker werden ausgesperrt Eine Analyse von netzpolitik.org mit dem Datenjournalisten Luca Hammer hat ergeben, dass bei verdächtigen untersuchten Accounts der AfD-Bundestagsabgeordnete Udo Hemmelgarn überproportional oft Nutzniesser von massenhaften Retweets war.

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siehe auch: Wahlkampf auf Twitter Fake-Profile für die AfD. Im Europawahlkampf sind auf Twitter anonyme Konten aktiv, die Zehntausende Tweets für die AfD absetzen. Viele geben sich als Frauen aus, die Profilbilder wurden im Netz geklaut. Jung, weiblich, hyperaktiv – so treten auf Twitter diverse Konten auf, die Tausende von Tweets im Sinne der AfD veröffentlichen. Es handelt sich um ein ganzes Netzwerk von Accounts, die sich aufeinander beziehen und gegenseitig retweeten. Insbesondere in den Wochen vor der anstehenden Europawahl sind neue Accounts aufgetaucht. So beispielsweise eine “Beate”, deren Profilbild offenkundig von einer russischen Seite mit Schönheitstipps stammt, wie eine Suche im Netz zeigt. Das Konto ist erst im April eingerichtet worden, dennoch hat es bereits fast 1000 Follower – darunter verschiedene AfD-Abgeordnete sowie weitere Konten von angeblichen Frauen, die bemerkenswert viel twittern. So setzte beispielsweise “Petra” seit dem Januar 2018 mehr als 107.000 Tweets ab, auch dieser Account kann als Follower diverse AfD-Politiker aufweisen. Das Konto von einer “Cornelia” wurde im August 2018 eingerichtet – und verbreitete bis Mitte Mai bereits mehr als 44.500 Tweets – fast ausschließlich Retweets von rechtsradikalen Blogs, rechtskonservativen Medien und AfD-Konten.”Adele” verteilte seit dem Februar mehr als 6500 Tweets und knapp 40.000 “Gefällt mir”-Herzen, “AliceWo” setzte seit Januar knapp 57.000 Tweets ab – dazu rund 70.000 Herzen. (…) Neben solchen Konten, die sich als Privatpersonen ausgeben, finden sich Accounts, die ausschließlich Wahlkampf für die AfD betreiben, aber angeblich nichts mit der Partei zu tun haben. Dazu zählt “AfD Unterstützer”, der im Bundestagswahlkampf aktiv war und nach dem 24. September 2017 verstummte; oder “Wahlkaempfer”, der nach eigenen Angaben die Partei bei der Europa- und Landtagswahl in Brandenburg unterstützt. Seit 2014 ist bereits das Konto “AfD wählen” aktiv, angeblich wird es von drei Frauen aus Freiburg betrieben, die als Benutzernamen “@Schweizerinnen” angeben. Ähnliche Accounts gibt es für andere Staaten: Die “@Zypriotinnen”, die unter dem Namen “Cyprus 4 AfD” auftreten – und bei denen es sich um auf Zypern lebende Deutsche handeln soll, die die AfD unterstützen. Nach exakt diesem Muster agiert auch das Konto “@Englaenderinnen”, es handele sich um “in England lebende Deutsche”, die die AfD unterstützen, heißt es hier und bei anderen Konten wie “Croatia 4 AfD”, “Finland 4 AfD”, “Belgium 4 AfD”, “Lativia 4 AfD”, “Bulgaria 4 AfD”, “Poland 4 AfD+PiS”, “Estonia 4 AfD” und “Romania 4 AfD”; Fälschen, züchten und verstärken: Fragwürdige Twitter-Tricks bei der AfD. Recherchen geben einen Einblick in die Twitterstrategie der AfD. Die Partei bezahlte dabei einen parteinahen Social-Media-Berater aus Münster: Der züchtete Twitter-Accounts mit Spammer-Methoden, reichte Accounts unter wechselnden Namen an Parteivertreter weiter und steht im Verdacht, hinter Netzwerken aus Fake-Accounts zu stehen, die mit koordinierten Retweets Abgeordnete der Partei verstärkten.

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