Rechte Pseudowissenschaft – Fakefakten erobern Unis

Rechtspopulisten erklären Gefühle zu Fakten, etwa beim Klimawandel. Um diese zu etablieren, nutzen sie immer häufiger wissenschaftliche Strukturen. Der Begriff der „alternativen Fakten“ wurde vor allem durch Donald Trumps Presseteam geprägt. Er bezeichnet eine politische Strategie: Wem die Faktenlage nicht passt, der erschafft sich eine neue. Vermeintliche Expert*innen finden sich immer sowie randständige Medien, die solche Fakten verbreiten. Meistens wird dabei weitgehend wirkungslos gegen die Wissenschaft angeschrien. Aber was, wenn rechtspopulistische Kräfte aus der Wissenschaft heraus sprechen? In Deutschland versucht vor allem das AfD-nahe Milieu, mit gefühlten Wahrheiten Politik zu machen. Und das kommt an. In der aktuellen Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die rechtsextreme Einstellungen in Deutschland untersucht, gab die Hälfte der Befragten an, ihrem eigenen Gefühl mehr als „sogenannten Experten“ zu trauen. Beate Küpper, Mitautorin der Studie, erkennt dahinter Denkmuster des Rechtspopulismus: „Dinge als Fakten zu bezeichnen, die landläufig nicht als solche gehandelt werden. Also statt objektiv zu sein, ein Gefühl zum Faktum zu erklären.“ Aus dieser Sicht sei die Wissenschaft Teil einer „korrupten Elite“, dagegen stehe das „moralisch reine Volk, das aus gesundem Volkswillen heraus weiß, was richtig ist“. Dabei werde sich zwar der Wissenschaft bedient, ohne aber den vorherrschenden Konsens zu berücksichtigen. Beim Klimawandel wird das sehr deutlich: Während der überwältigende Teil der Forscher*innen die Auffassung eines menschengemachten Klimawandels teilt, stellt die AfD diejenigen her­aus, die ihn anzweifeln. Das „Europäische Institut für Klima und Energie“ wird hier gern zitiert. „Mit irgendwelchen Instituten, Labels wird versucht, eine Seriosität zu imitieren. Die haben mit unseren üblichen wissenschaftlichen Kriterien, ein akademisches System und Peer-Reviews durchlaufen zu haben, nichts zu tun“, so Küpper. „Dann zaubern Sie irgendeinen anderen Experten aus der Tasche, der das vertritt. Ohne zu fragen: „‚Was sind die Motive dahinter, was ist dessen Expertise?‘“Doch einmal in der Welt, werden die so erzeugten „Fakten“ von denjenigen, die am Klimawandel zweifeln, als Teil eines komplizierten wissenschaftlichen Meinungsstreits wahrgenommen. Auch andere Reizthemen wie Feinstaubbelastung, Gender oder Migration werden gezielt aufgegriffen.

via taz: Rechte Pseudowissenschaft – Fakefakten erobern Unis

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