Das Bro-Netzwerk

Im Netzwerk von Sebastian Kurz und Martin Ho werden exklusive Partys gefeiert, Staatsaufträge vergeben und zu Empfängen von Regierungschefs eingeladen. Teil 1 der zwölfteiligen Recherche über den Ex-Kanzler und den Clubbesitzer. Vor dem Tor des Trenningschlössels in der Wachau stehen zwei Oldtimer. Am Vorplatz des denkmalgeschützten Châteaus weht die Fahne der Sozialistischen Republik Vietnam neben jener von Österreich und der Europäischen Union. Im Garten des im Jahr 1302 errichteten Anwesens schenkt eine elegant gekleidete Frau Champagner aus. Insgesamt 100 Flaschen der Marke Dom Perignon Vintage – Retailpreis: 169 Euro pro Flasche – sollten an diesem sonnigen Julitag getrunken werden. Der in Vietnam geborene Unternehmer Martin Ho feiert “in kleiner Runde mit Freunden und Wegbegleitern” nicht nur seinen 32. Geburtstag, sondern auch die Aufnahme in den exklusiven Kreis der Schlossbesitzer. Für seine Frau Ivana sei ein Traum in Erfüllung gegangen, wie sie ihren mehr als 20.000 Fans auf Instagram verrät. Die Unternehmerin ist Profimodel und setzt sich dementsprechend öffentlich in Szene. Einige Räumlichkeiten des Anwesens will die Familie selbst bewohnen. Im übrigen Teil des Schlössels soll ein Boutique Hotel entstehen. Gerade einmal sieben Zimmer werden im La Petite Ivy an ein zahlungskräftiges und um Diskretion bemühtes Publikum vermietet. Wer in einer Suite mit dem Namen “Bukkake” nächtigen will, muss sich einem strengen Fotoverbot unterwerfen.
Unter den Partygästen befindet sich auch Martins Vater Xuan Thai Ho, der vor 28 Jahren als Wirtschaftsflüchtling nach Österreich ausgewandert ist – “ohne Fremdsprache, ohne Karriere, ohne Kontakte, ohne Gesundheit und vor allem ohne Geld”, wie er einem vietnamischen Medium verriet. Er ist nicht nur stolz auf den rasanten geschäftlichen Aufstieg seines Sohnes, sondern auch dass Martin, der eigentlich Anh Tuan heißt, ein “enger Freund” von Sebastian Kurz ist. Anders als sein Vater behauptet, wird Ho Junior laut der deutschen “Zeit” als Kind wohlhabender Eltern geboren und kann bereits in jungen Jahren um die Welt reisen. Seine Matura absolviert der nach eigenen Angaben “ganz miese Schüler” auf der privaten Vienna Business School. Seine Eltern sollen im Import-Export-Geschäft erfolgreich tätig gewesen sein und ihren Sohn bei dessen Firmengründung maßgeblich unterstützt haben. Mittlerweile besitzt er mit seiner DOTS Gruppe mehrere Restaurants, den Techno Club Pratersauna, den Hip Hop Club VIE I PEE sowie den Memberclub X, in dem Sebastian Kurz in seiner Zeit als Außenminister regelmäßig gesehen wurde.

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