Rassismus an Clubtüren: Geschlossene Gesellschaft

In Städten wie Berlin werben Clubs gern mit Internationalität und Raum für Freiheit. Es sei denn, man sieht aus wie ein Türke oder Araber. Dann endet die Toleranz. In einer der warmen Nächte dieses Sommers ist die Warteschlange vor dem Berliner Technoclub kurz. Gegen 2 Uhr treten drei junge Männer vor den Türsteher der Griessmuehle, einer ehemaligen Industriebrache, gelegen an einem Schifffahrtskanal in Neukölln. Die Männer unterhalten sich auf Deutsch, tragen Shorts und T-Shirts, ihre Hautfarbe ist hell. Das Trio wird durchgewunken. Direkt dahinter stehe ich, der Autor dieses Artikels, zusammen mit einem Freund. Wir tragen Jeanshose und T-Shirt, haben beide einen etwas dunkleren Teint, vor allem aber sind meine Haare schwarz. “Nee Jungs, das geht nicht”, sagt der Mann an der Tür. Keine Begründung, kein Gespräch. Die Partynacht ist plötzlich vorbei. Auch die zwei arabischstämmigen Männer, die danach in den Club wollen, kommen nicht rein. Anderen Gäste hingegen, die äußerlich nicht türkisch- oder arabischstämmig aussehen, wird der Zutritt wenig später nicht verwehrt.Vor gut einem Jahr habe ich einen sehr persönlichen Text über Rassismus an deutschen Clubtüren geschrieben, über die Erlebnisse aus meiner Jugend in Bremen. Danach erreichten mich viele emotionale Zuschriften von Menschen, die ganz Ähnliches erlebten und darunter litten. Ich bekam aber auch Post von Weißen, die sich nach dem Lesen an ihre türkischstämmigen Mitschüler erinnerten, denen Ähnliches passiert sei. Der Frust unter jungen Männern vor allem mit arabischen oder türkischen Wurzeln ist auch so groß, weil sich das Phänomen so schwer fassen, so schwer beweisen lässt. Kann doch viele Gründe geben, heißt es häufig, warum man nicht in eine Disco gelassen wird. Nähert man sich dem Problem aber intensiver, wird deutlich, dass Deutschlands Clubs und Diskotheken junge Menschen mit einem spezifischen Migrationshintergrund systematisch unter Generalverdacht stellen. Und auch wenn sich gerade die Berliner Nacht- und Clubszene besonders weltoffen und tolerant gibt, scheint sie keine Ausnahme von dieser Regel zu sein.

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