Homofeindliche Gewalt in Aue – Warum musste er sterben?

Drei junge Rechtsextreme quälen ihren schwulen Freund, bis er stirbt. War das eine politische Tat? Ein Gericht findet: Nein. Christopher W. starb an einem warmen Aprilabend im Jahr 2018 in einem alten Bahnhofsgebäude in Aue. Drei seiner besten Freunde prügelten ihn zu Tode. Sie schlugen so lange auf ihn ein, bis sein Gesicht nur noch eine rote geschwollene Masse war. Auf den Gerichtsfotos sind der verrutschte Mund, der zertrümmerte Kiefer dokumentiert; dort wo die Nase war, tut sich ein Krater auf. Als hätten sie ihm das Gesicht nehmen, seine Person auslöschen wollen. Christopher W. war schwul – seine vermeintlichen Freunde, junge Rechtsextreme, hatten ihn mehrfach deswegen beschimpft. Er galt als schwach, als Opfertyp, über Monate hinweg war er von diesen Freunden ausgenutzt worden, sie schickten ihn zum Klauen, kauften sich von seinem Geld Drogen. Eine Bekannte sagte später vor Gericht, er sei ein „Sklave“ gewesen. Ab und zu züchtigten sie ihn auch körperlich, sie brachen ihm die Nase und schnitten seinen Arm mit einem Cuttermesser auf. Trotzdem war er oft fröhlich und gut drauf; hatte er Drogen genommen, war er aufgedreht. Auch das nervte seine Freunde offenbar, erzählten Zeugen vor Gericht.
An dem Abend seines Todes trug er ein T-Shirt, auf dem stand: „Do you think, I am too crazy? You will miss me, when I’m gone“ – „Glaubst du, ich bin zu durchgeknallt? Du wirst mich vermissen, wenn ich weg bin.“
Das Gericht kann kein Motiv benennen Die Polizei fand schnell heraus, dass es die drei jungen Männer waren, die Christopher W. umgebracht haben. Im Zuge der Ermittlungen stellen sie fest: Die Tat ist möglicherweise politisch rechts motiviert, sie meldeten sie dem Innenministerium. Das Innenministerium veröffentlichte die Tat in der Statistik über politisch motivierte Kriminalität; als einziges rechtsextremes Tötungsdelikt des Jahres 2018. Die Staatsanwaltschaft und das Gericht kamen jedoch im Juni 2019 zu einem anderen Schluss: Sie können zwar kein Motiv benennen, die Tat lässt sie ratlos zurück; für sie ergibt sich jedoch aus der Hauptverhandlung kein rechtsextremer Hintergrund der Tat und kein Hinweis auf ein Hassverbrechen.

via taz: Homofeindliche Gewalt in Aue – Warum musste er sterben?

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