Rechtes Netzwerk in Sicherheitsbehörden – Ein Kumpel wie jeder andere

Der erste Prozess im Komplex Franco A. ist gestartet. Ein Freund hat Waffen und Munition für den rechtsradikalen Soldaten gelagert.

Um den Angeklagten geht es zunächst gar nicht im Saal 227 des Gießener Landgerichts. Der heißt Mathias F., er hält sich einen Schreibblock vor das Gesicht, um die Kameras der Journalisten abzuwehren. Derweil nimmt ein anderer in der letzten Reihe des Zuschauerbereichs Platz, unbeachtet zunächst. Es ist Franco A., der Bundeswehrsoldat, der sich als syrischer Flüchtling ausgab. Ihm werfen Ermittler vor, rechtsextreme Attentate geplant zu haben. Man könnte meinen, einer wie er habe gute Gründe, nicht in diesem Gerichtsprozess zu erscheinen. Schließlich geht es auch um seine möglichen Terrorpläne, die Ermittler seit über zwei Jahren zu verstehen versuchen. Und nun sitzt er hier.

Die Verhandlung ist der erste Prozess im Franco A.-Komplex. Mathias F. wird vorgeworfen, Munition, Übungshandgranaten und Waffenteile bei sich verwahrt zu haben, die Franco A. ihm gab. Es geht im Kern um den Verstoß gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz. Diese Taten hat F. vor Gericht zugegeben.

Franco A. ist der spektakulärste Fall eines rechtsradikalen Bundeswehrsoldaten seit langem. Als Student hatte er der Bundeswehr eine antisemitische Masterarbeit vorgelegt, offenbar über Jahre hinweg Sprengstoffkörper, Patronen und ganze Munitionskisten bei der Armee entwendet, sich einer rechten Prepper-Gruppe angeschlossen – und kein Vorgesetzter, kein Geheimdienst, kein Ermittler will davon etwas mitbekommen haben. Es ist eine Wiener Putzfrau, die seine kriminellen Aktivitäten schließlich auffliegen ließ.

via taz: Rechtes Netzwerk in Sicherheitsbehörden – Ein Kumpel wie jeder andere

Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *