Politiker ringen um Worte, die AfD mit dem Anstand

Wenn ein Antisemit zwei Menschen ermordet, ist das kein “Alarmzeichen”, wie Annegret Kramp-Karrenbauer sagte. Über hilf- bis geschmacklose Reaktionen der Politik. Kurz nach dem Angriff auf eine Synagoge in Halle an der Saale veröffentlichten am Mittwochabend zahlreiche Politiker und Politikerinnen ihre Beileidsbekundungen, Reaktionen und Deutungen im Internet. Viele wirkten ehrlich betroffen und fassungslos. Andere machten vor allem einen hilflosen Eindruck. “Ein solcher Angriff am höchsten jüdischen Feiertag ist ein Alarmzeichen, das niemanden in Deutschland unberührt lassen kann”, sagte die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer dem Tagesspiegel – es war ihr nächster Patzer. “Alarmzeichen” – an diesem Wort hängten sich viele auf, der Begriff trendete bei Twitter. Denn “Alarmzeichen” ist mit Blick auf die schreckliche Tat schon eine ziemliche Verharmlosung: Zwei Menschen wurden ermordet. Da ist es für Alarm zu spät – der einer Gefahrensituation doch vorausgehen sollte, sonst wäre er ja nutzlos. Wer nach “Alarmzeichen” für antisemitische Gewalt suchen will, findet außerdem bei Wikipedia eine ganze Liste mit Vorfällen, die sich durch die Geschichte der Republik ziehen: die Geiselnahme bei den Olympischen Spielen in München 1972, bei der 17 Menschen starben. Der mutmaßlich rechtsextreme Doppelmord an Shlomo Lewin und Frida Poeschke 1980 in Erlangen. Der vereitelte Bombenanschlag – geplant von Rechtsextremisten – auf die Grundsteinlegung des neuen jüdischen Zentrums in München 2003. Brandanschläge, Friedhofsschändungen, Beleidigungen, Morde: Kein Jahrzehnt verging ohne Antisemitismus von rechts, links oder durch Islamisten. Die “Alarmzeichen”, es gibt sie seit 60 Jahren. (…) Weder um Trauer noch um Anteilnahme oder Ursachenforschung geht es jedenfalls den Juden in der AfD (JAfD) – einem Verein, der vor einem Jahr gegründet wurde und schon damals vom Zentralrat der Juden und anderen Vereinigungen kritisiert wurde. Zu einem Bild, das Angela Merkel am Abend des Anschlags in stiller Trauer vor der Neuen Synagoge in Berlin zeigt, neben ihr die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD), schreibt die JAfD: “Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und ihre PoC-Fanboys und -Girls haben nur darauf gewartet, sich endlich mal wieder als Beschützer der Juden inszenieren zu können. Wurde auch mal wieder Zeit nach den ganzen islamischen Attacken der letzten Wochen und Monate.”

via sz: Politiker ringen um Worte, die AfD mit dem Anstand

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