“Doktorvater” beendete Betreuung von Pauls Dissertation zu NS-Thema

Der rheinland-pfälzische AfD Partei- und Fraktionsvize Paul wollte nach SWR-Recherchen 2013 über eine SS-Forschungseinrichtung promovieren. Doch ein Mainzer Professor brach seine Betreuung ab. Neue Recherchen von SWR, NDR und taz legen außerdem nahe, dass Paul für eine NPD-Zeitschrift geschrieben hat – und dazu öffentlich die Unwahrheit sagte. Nach SWR-Recherchen arbeitete der heutige AfD-Fraktions- und -Landesvize Joachim Paul an einer Promotion, die er nicht abschloss. Seine Promotionsvorhaben hatte Paul unter dem Titel “Die Bedeutung der Untersuchung der frühneuzeitlichen Hexenprozesse im Ahnenerbe und dessen personelle Verflechtungen” bei der Johannes Gutenberg-Universität Mainz angemeldet. Das Ahnenerbe war eine von Heinrich Himmler eingerichtete SS-“Forschungseinrichtung”, die Archäologie, Anthropologie und Geschichte der Deutschen aus nationalsozialistischer Sicht zusammenbrachte. Betreuer der Arbeit war damals der Historiker Prof. Dr. Ludolf Pelizaeus, der am Historischen Seminar in Mainz lehrte. (…) Pelizaeus habe in Pauls Auseinandersetzung mit dem Quellenmaterial, also der Behandlung der Hexenprozesse durch das SS-Ahnenerbe – “einem durchaus delikaten Thema” – die Entwicklung gefehlt. “Die Inhalte zu referieren, ist völlig irrelevant, weil Sie mit diesen Inhalten nur irgendwelche kruden NS-Theorien wiedergeben können. Das ist für eine wissenschaftliche Arbeit nicht zielführend”, so Pelizaeus. Zunächst habe sein Student Paul auf ihn “orientierungslos” gewirkt. Später sei ihm klar geworden, dass Paul “doch so in der rechten Ecke verortet werden musste, dass eine neutrale Bearbeitung des Themas nicht mehr möglich war”. Pelizaeus habe dann von einer weiteren Zusammenarbeit Abstand genommen. (…) Im Mai dieses Jahres hatte die Tageszeitung taz über eine angebliche Nähe Pauls zu rechtsextremen Inhalten berichtet. Die Recherchen hätten nahegelegt, dass der heutige AfD-Politiker aus Koblenz 2011 einen Text für die rechtsextreme Zeitschrift “Hier & Jetzt” verfasst habe. Unter dem Pseudonym “Karl Ludwig Sand” habe Paul in dem Text den wegen Mordes verurteilten norwegischen Black-Metal-Musiker Varg Vikernes verherrlicht. Vikernes bezeichnet sich selbst als Faschist. Als Beleg für Joachim Pauls Autorenschaft des Textes zitierte die taz aus Mails, die zwischen der Mail-Adresse [email protected] und dem “Hier & Jetzt”-Chefredakteur und NPD-Politiker Arne Schimmer ausgetauscht worden seien. Die Mail-Adresse sei Paul durch die Teilnehmerliste eines burschenschaftlichen Seminars zuzuordnen. (…) Es liegen starke neue Anhaltspunkte vor, wonach der spätere AfD-Politiker Paul die Mail-Adresse [email protected] seit 2010 mehrfach verwendet hat. Unter anderem, um mit Mitgliedern seiner Burschenschaft zu kommunizieren. Joachim Paul ist Mitglied der deutschnationalen Bonner Burschenschaft der Raczeks. Diese schlagende Studentenverbindung gehört zum Dachverband der Deutschen Burschenschaft, den die Gießener Politologin Alexandra Kurth als “extrem rechts” bezeichnet. Die Raczeks hätten sich in der Vergangenheit dafür eingesetzt, dass Studenten mit “nichteuropäischer Gesichts- und Körpermorphologie” nicht aufgenommen würden. Das sei rassistisch, so Kurth, und spreche de facto Deutschen mit Migrationshintergrund ab, deutsch zu sein. Unter anderem fragte [email protected] bei befreundeten Burschenschaftern aus Wuppertal an, ob er während einer Studienreise ins Staatsarchiv in Detmold in deren Verbindungshaus übernachten könne. Unterschrieben ist die Mail aus dem Frühjahr 2011 mit “Joachim Paul, Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks”. Recherchen des SWR zeigen, dass Paul 2011 tatsächlich im Staatsarchiv in Detmold war und dort den Nachlass eines Ahnenerbe-Autoren einsah. Paul verwendete schon zu Studienzeiten „Blackshirt“ Der Absender der Hushmail-Nachrichten wird mehrmals namentlich begrüßt: “Hallo Joachim”, “Sehr geehrter Herr Verbandsbruder Paul!”. SWR, NDR und taz liegen auch Antwortmails von [email protected] vor, die mit “Joachim Paul ABB der Raczeks” (Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks, Anm. d. Red.) unterzeichnet sind.

via swr: “Doktorvater” beendete Betreuung von Pauls Dissertation zu NS-Thema

siehe auch: Nazi-Vergangenheit von AfD-Politiker – Lügen im Landtag. In Rheinland-Pfalz könnte AfD-Fraktionsvize Joachim Paul über seine Vergangenheit gelogen haben. Interne E-Mails legen eine NPD-Autorenschaft nahe. Im rheinland-pfälzischen Landtag gehört der Vize-Fraktionsvorsitzende der AfD, Joachim Paul, zu ersten Riege seiner Partei. Jetzt möchte er den Vorsitz des Landesverbandes übernehmen – und das, obwohl es deutliche Hinweise darauf gibt, dass Paul einst für ein NPD-nahes Magazin schrieb. Im Mai dieses Jahres bestritt Paul vor dem Medienausschuss des Landtags in Mainz, unter einem Pseudonym in dem NPD-nahen Magazin Hier & Jetzt (H&J) geschrieben zu haben. Neue Recherchen von NDR, SWR und taz liefern aber jetzt noch weitere Hinweise darauf, dass Pauls Behauptung nicht zutrifft und er sehr wohl für das rechte Magazin schrieb. Bereits am 24. Mai 2019 hatte die taz berichtet, dass Paul als „Karl Ludwig Sand“ offenbar für die H&J geschrieben hat. Interne E-Mails, die von der Adresse [email protected] versand wurden und der taz vorliegen, legten diese Autorenschaft nahe. Damals erhielt die taz auf Nachfragen von Paul keine direkte Antwort. Stattdessen drohte sein Rechtsbeistand gegen eine Berichterstattung vorzugehen und behauptete, seinem Mandanten sei „weder das Pseudonym noch die benannte E-Mail-Adresse bekannt“. Nach neuen Recherchen von NDR, SWR und taz hat der spätere AfD-Politiker die E-Mail-Adresse [email protected], über die damals mit der H&J kommuniziert wurde, aber mehrfach und auch in anderen Zusammenhängen verwendet. Paul, der Mitglied der extrem rechten Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks in Bonn ist, fragte von dieser Mailadresse aus unter anderem Burschenschaftler, ob er während einer Studienreise ins Staatsarchiv in Detmold in deren Verbindungshaus übernachten könnte. Ein NPD-Mann als Chefredakteur Den Alias „Blackshirt“ hat der früherer Lehrer Paul ebenso öfter verwendete. So nutze er die Adresse [email protected] und [email protected] Seine früherer „Doktorvater“ Ludolf Pelizaeus weiß noch, dass „es ganz normal“ war, dass er „an Blackshirt geschrieben habe“. Es gibt also eine Indizienkette, die auf Verbindungen zwischen Joachim Paul und der Mailadresse hindeutet, mit der sich über den Artikel in Hier & Jetzt ausgetauscht wurde.

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