FPÖ-Funktionäre kümmern sich seit Jahren um ein Nazi-Grab am Zentralfriedhof

Das Grab von NS-Offizier Walter Nowotny ist eine zentrale Pilgerstätte der extremen Rechten. FPÖ-FunktionärInnen sind seit Jahren ganz vorne mit dabei. Es ist wahrscheinlich das umstrittenste Grab am Wiener Zentralfriedhof. Mitten unter den Ehrengräbern, Reihe 14C, höchstens 100 Meter von der Bundespräsidentengruft entfernt. Ringsherum liegen die Gräber vieler bedeutender Persönlichkeiten, die meisten davon PolitikerInnen aus der ArbeiterInnenbewegung. Viele dieser Menschen haben unter dem Faschismus gelitten, auf ihren Gräbern stehen Kränze mit roten Schleifen. Das Grab Nummer 12 in dieser Reihe sticht aber heraus. Hier ist Walter Nowotny begraben, Offizier der NS-Luftwaffe, Kampfflieger für das NS-Regime und Mitglied der NSDAP. Nach zahlreichen Einsätzen wurde Nowotny 1944 abgeschossen. Laut dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) würdigte sogar das NS-Zentralorgan, der Völkische Beobachter, den Offizier. Er hätte “als junger Führer der Hitler-Jugend trotz aller Verfolgungen in der Verbotszeit begeistert und unentwegt Adolf Hitler die Treue” gehalten, heißt es da.
Wenig verwunderlich, dass dieses Grab bis heute ein Wallfahrtsort für Nazis, FaschistInnen und Rechtsextreme ist. Einmal im Jahr, zumeist rund um Nowotnys Todestag am 8. November, kommen sie hier zusammen, um ihres Helden zu gedenken. “Nowotny hat als junger Führer der Hitler-Jugend trotz aller Verfolgungen in der Verbotszeit begeistert und unentwegt Adolf Hitler die Treue gehalten.” Für die offene NS-Szene war in der Vergangenheit etwa Naziführer Gottfried Küssel bei Nowotny-Gedenkfeiern anwesend – in der zweiten Reihe übrigens sein damaliger Jungspund Martin Sellner, heute Vorzeige-Kamerad der rechtsextremen “Identitären Bewegung”. Das belegt der Blog “Küssels Kameraden” mit Bildern. Warum sich das Grab als Wallfahrtsort der Rechten eignet, wird bereits auf den ersten Blick offensichtlich. Auf dem großen Granitblock, der als Grabstein dient, prangt ein “Eisernes Kreuz”. Darunter die Inschrift “Major der Luftwaffe Walter Nowotny”. Er sei “Träger des Eichenlaubes mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des eisernen Kreuzes”, erklärt die Inschrift. Mit der in Nazi-Kreisen üblichen “Algiz”-Rune wird Nowotnys Geburtsdatum angezeigt. Dann das Sterbedatum, der 8. November 1944. Schließlich die eingravierte Losung: “Ewig ist der Toten Tatenruhm”. Führend beteiligt an den Aktivitäten rund um Nowotnys Grab sind seit Jahren FunktionärInnen der FPÖ. Bis 2003 war die Begräbnisstätte ein Ehrengrab der Stadt Wien, die Pflege wurde von der Stadt bezahlt. Nach Protesten gegen die Aufmärsche am Grab wurde dieser Status schließlich aberkannt. Faktisch aber änderte sich nichts. Das Grab verblieb in der Ehrengräbergruppe – und die Pflege und der Erhalt wurden laut ORF einfach vom Innenministerium übernommen.

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