Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano – “Was kann gemeinnütziger sein als Antifaschismus?” – #vvn

Im Dezember wird sie 95. Esther Bejarano überlebte den Holocaust und ist Ehrenvorsitzende eines antifaschistischen Verbandes, dem ein Finanzamt nun die Gemeinnützigkeit entzogen hat. Im Zorn hat sie Olaf Scholz einen Brief geschrieben. (…) Neben dem Tourneestress hat Bejarano derzeit andere Probleme: Sie ist auch Ehrenvorsitzende der “Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten” (VVN-BdA). Das zuständige Finanzamt Berlin hat der Organisation jetzt die Gemeinnützigkeit entzogen. Der Verband, nach 1945 von Holocaust-Überlebenden gegründet, sieht seine Existenz gefährdet, denn es drohen empfindliche steuerliche Nachteile und Nachzahlungen von Zehntausenden Euro. einestages: Frau Bejarano, seit Jahren kämpfen Sie engagiert gegen Faschismus und Rechtsradikalismus. Im bayerischen Verfassungsschutzbericht von 2018 wird die VVN-BdA als “linksextremistisch beeinflusste Organisation” eingestuft. Stehen Sie Linksextremisten nahe? Bejarano: Was hat das überhaupt mit links zu tun? Wenn man gegen etwas ankämpft, was man einst erlebt hat, dann ist es total unwichtig, ob man links oder rechts ist. Ich kann nicht begreifen, dass die Leute immer in solchen Kategorien denken.einestages: Die Einstufung hat ernsthafte Folgen für die VVN-BdA. Ein Finanzamt in Berlin hat der Organisation die Gemeinnützigkeit entzogen. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie davon erfuhren? Bejarano: Was soll mir durch den Kopf gegangen sein? Das ist eine ganz große Unverschämtheit. Ich frage mich wirklich: Wohin steuert Deutschland? Ich weiß nicht, wie es in Deutschland weitergehen wird, aber ich muss versuchen, zu verhindern, dass der Rechtsruck hier noch schlimmer wird. Das ist meine Arbeit. Und die mache ich, solange ich lebe. (…) einestages: Das Berliner Finanzamt hat die umstrittene Entscheidung auf Basis eines Berichts des Verfassungsschutzes Bayern getroffen, der mit den Kommunisten im VVN argumentiert… Bejarano (unterbricht aufgebracht) : Ja, warum sind denn Kommunisten in diesem Verein? Weil sie die Ersten waren, die von der NSDAP verfolgt worden sind! Viele sind in Gefängnissen und Konzentrationslagern umgebracht worden. Sie gehörten zu den wenigen, die gegen die Nazis gekämpft haben. Natürlich sind Kommunisten im VVN, doch das darf doch nicht der Grund sein, uns die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Was kann gemeinnütziger sein als Antifaschismus? Es ist eine Arbeit für die Gesellschaft.

via spon: Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano “Was kann gemeinnütziger sein als Antifaschismus?”

siehe auch: Aberkennung der VVN-Gemeinnützigkeit – „Wohin steuert die Republik?“ Der VVN soll die Gemeinnützigkeit aberkannt werden – nun schrieb die Ehrenvorsitzende Esther Bejarano einen Brief an Olaf Scholz. Es geht um Demokratie. Ich dachte, ich lese nicht richtig: Esther Bejarano, diese würdevolle Frau und Schoah-Überlebende, schreibt einen offenen Brief an Bundesfinanzminister Scholz, in dem sie ihm erklären muss, was Antifaschismus in Deutschland bedeutet. „Wohin steuert die Bundesrepublik?“, fragt sie ihn. Zu Recht. Esther Bejarano ist Überlebende, die uns das Geschenk, das ihr gemacht wurde, zurückgeschenkt hat: Sie hat überlebt und durfte dieses Leben noch einmal füllen, wirklich füllen, will heißen: In Fülle Leben, mit Freude trotz Schmerz, mit Leichtigkeit trotz dieses historischen Gewichts in ihrem Leben. Sie ist unglaubliche 94 Jahre alt, und alle Demokrat*innen sollten ihr Möglichstes dafür tun, dass Esther Bejarano nie wieder einen solchen Brief schreiben muss. Der Verein, dessen Ehrenvorsitzende sie ist, wird sperrig abgekürzt mit VVN-BdA.

Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *