Propaganda auf dem Parkdeck

Neonazis aus dem Südwesten kopieren die Strategie der Identitären Bewegung: Mit perfider Inszenierung suchen sie Aufmerksamkeit – und verbreiten rassistische Botschaften. Lodernde Flammen, greller Lichtschein, dichter Rauch: Bengalische Feuer bringen Licht in die Dunkelheit der Nacht. Ein Dutzend vermummter Neonazis läuft über ein düsteres Bahnhofsgelände, durch die verlassene Unterführung, ins Parkhaus. Auf der oberen Etage erleuchten sie die Fassade und hissen ein Banner mit der rassistischen Parole „Migration tötet!“ Zu der rechten Propagandaaktion kam es Mitte Dezember 2020 in Osterburken, einer Kleinstadt mit 6.500 Einwohnern im Nordosten Baden-Württembergs. Ein Video davon verbreitete wenige Tage später die Gruppierung Junge Revolution in den sozialen Medien. Der Clip scheint die Kopie eines Erfolgsmodells der extremen Rechten zu sein: Mit symbolträchtiger Propaganda platzierte sich schon die international vernetzte Identitäre Bewegung (IB) auf dem Radar der Öffentlichkeit. Ein Erfolg, dem andere Strömungen nacheifern. (…) Im Gegensatz zur IB sind die Neonazis aus dem Video tatsächlich jung: Sie sind allesamt rund 20 Jahre alt, verkehren allerdings teilweise bereits seit Jahren in der Szene. Mitte 2020 gründeten sie die Gruppierung Nord Württemberg Sturm (NWS), einen regionalen Ableger der Jungen Revolution, die den Clip veröffentlichte. Die Mitglieder traten insbesondere durch Wanderungen im Landkreis Schwäbisch Hall in Erscheinung: Anfang Juli spazierten Dutzende Neonazis zum Schloss Langenburg, Anfang September nahe Satteldorf. Mitte November plante der NWS gar einen geheimen Kameradschaftsabend. Jedoch musste er wegen der Covid-19-Pandemie abgesagt werden. Auch die Junge Revolution ist fest in den Kreisen des rechten Nachwuchses verankert. Gegründet wurde sie 2019 vom damals 17-jährigen Sanny Kujath. Der Jungnazi ist inzwischen vom sächsischen Zwickau nach Kloster Veßra in Thüringen gezogen. Dort macht er eine Ausbildung zum Koch im Gasthaus Goldener Löwe, das dem Neonazi Tommy Frenck gehört. Es ist ein bundesweiter Treffpunkt der extremen Rechten; auch der NWS besuchte die Immobilie bereits.

via störungsmelder: Propaganda auf dem Parkdeck

screenshot telegram

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