AUFRÄUMARBEITEN – Obskure “Helfer” in den Hochwassergebieten

Nach den verheerenden Unwettern ist die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung groß. Die Aufräumarbeiten locken allerdings auch obskure “Helfer” aus dem Umfeld der “Querdenker”- und Verschwörungsideologen-Szene an. Er gilt als rechtsextrem und wurde bereits wegen Holocaustleugnung verurteilt: Nikolai N., der sich “Volkslehrer” nennt, war regelmäßiger Gast auf so genannten Querdenker-Demonstrationen, wo er unter anderem die Existenz von Corona anzweifelte. Nun hat er offenbar ein neues Betätigungsfeld gefunden: Nach eigenen Angaben hat er ein Quartier an einer Grundschule in Bad Neuenahr-Ahrweiler bezogen und postet seitdem Videos aus dem Katastrophengebiet in seinem Social-Media-Kanal bei “Telegram”, der mehr als 30.000 Abonnenten hat. Dass Einsatzkräfte von Feuerwehr oder Technischem Hilfswerk THW aktuell nicht überall sein können, kommt dem “Volkslehrer” offenbar gelegen: “Das ist großartig, weil wir damit endlich in die Selbstverantwortung kommen. Und zeigen können, dass wir diese ganzen BRD-Organisationen gar nicht brauchen”, sagt er in einem der Videos. (…) Für Aufregung sorgte auch der Verein “Eltern stehen auf”, der von Beobachtern ebenfalls mit der Querdenker-Szene in Verbindung gebracht wird. Auf seiner Homepage spricht er in Zusammenhang mit Impfungen vom “Corona-Schuss” und machte bereits in der Vergangenheit gegen Corona-Masken mobil. Nun wollte der Verein nach eigenen Angaben in Bad Neuenahr-Ahrweiler für Flutopfer ein Familienzentrum mit 50 Therapeuten, Psychologen und Seelsorgern gründen. Doch das hat das rheinland-pfälzische Familienministerium inzwischen verhindert und sogar öffentlich davor gewarnt. Auf SWR-Anfrage positioniert sich das Ministerium sehr klar: Man gehe davon aus, dass Kinder im Angebot eines solchen Vereins nicht gut aufgehoben seien. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme: “Trittbrettfahrer-Versuche aus der Querdenker-Szene, die ihre Ideologie unter dem Deckmantel von ‘Hilfsangeboten’ verbreiten, sind in der Krise nicht weiterführend. Dass Personen, die den Gesundheitsschutz in einer Pandemie ablehnen, nun eine offizielle Rolle für die psychische und psychologische Versorgung von Kindern für sich reklamieren, musste deshalb sofort unterbunden werden.” Elternverein weist Frage zu politischer Gesinnung zurück. Als die Entscheidung bekannt wurde, organisierte der Verein eine Diskussionsrunde im Internet – mit bekannten Akteuren der Querdenker-Szene. Auf SWR-Anfrage zur Zusammenarbeit mit Akteuren aus dieser Szene teilt “Eltern stehen auf” mit, es sei eine “Schamlosigkeit, eine etwaige politische Gesinnung der unbürokratisch und ad hoc Helfenden zum Thema” zu machen. Die Politik habe versagt und gehe “buchstäblich über Leichen”. Das vom Verein geplante Hilfsangebot sei dringend nötig. Nach eigenen Angaben auf Social Media wollte der Verein zwischenzeitlich ebenfalls in besagter Grundschule in Bad Neuenahr-Ahrweiler eine “neue Location” einrichten.

via swr: AUFRÄUMARBEITEN – Obskure “Helfer” in den Hochwassergebieten

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