#Nordkreuz – Leerstellen der offiziellen Erzählung – #terror #polizeiproblem


Seit knapp drei Jahren bringen journalistische Recherchen immer wieder neue Details über das rechte Nordkreuz-Netzwerk ans Licht. Das führt dazu, dass die öffentliche Erzählung immer unglaubwürdiger erscheint. Hier sollen vor allem drei Aspekte näher beleuchtet werden. Immer deutlicher wird, dass der Schießplatz „Großer Bockhorst“ in Güstrow und dessen Betreiber Frank Thiel bzw. seine Firma „Baltic Shooters“ eine wichtige Rolle im Nordkreuz-Komplex einnimmt. Nicht nur waren zentrale Personen des Nordkreuz-Netzwerkes hier anzutreffen und z.T. tätigt, es besteht auch der begründete Verdacht, dass über sogenannte „Special Forces Workshops“, die Thiel seit 2009 mitorganisierte, Munition aus den Beständen von Spezialeinheiten verschiedener Bundesländer für das rechte Netzwerk abgezweigt wurde. Weiterhin geht es um die Frage, wie die Behörden überhaupt auf Nordkreuz aufmerksam geworden sind. Nach Auskunft der Bundesregierung machte ein Zeuge im Franco-Albrecht-Komplex im Sommer 2017 das Bundeskriminalamt (BKA) auf eine rechte Chatgruppe aufmerksam. Dem jedoch widerspricht eine Aussage eines Mitarbeiters des Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Innenausschusses des Deutschen Bundestages, der zufolge das BfV bereits im Winter 2016 das BKA informierte, nachdem es aus nachrichtendienstlichen Quellen von einer solchen Chatgruppe erfuhr.
Fragwürdig ist auch, dass im Nordkreuz-Komplex bislang nur zwei Personen als Beschuldigte im Verfahren der Bundesanwaltschaft geführt werden. Neben dem Polizisten Haik J. und dem Ex-Politiker und Anwalt Jan Hendrik Hammer sind aber noch weitere Personen von (zentraler) Bedeutung. „Baltic Shooters“ Das Grundstück auf dem sich der heutige Schießstand von „Baltic Shooters“ befindet wurde 1996 vom damaligen Güstrower Bürgermeister an den Verein „Privilegierte Schützenzunft Güstrow e.V.“ (PSG) verpachtet und unter Inanspruchnahme von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in Stand gesetzt. Anfang der 2000er wurde ein Teil des Grundstücks von Frank Thiel gekauft und „Baltic Shooters“ eröffnet. In dieser Zeit flossen auch Fördermittel von Land, Kreis und Stadt. Der Verein PSG, dessen Vorsitzender Thiel nach wie vor ist, bekommt auch weiterhin öffentliche Fördermittel für Kinder- und Jugendarbeit aus dem Stadthaushalt. Seit dem Jahr 2009 fand auf dem Gelände einmal jährlich der vom Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern (LKA M.-V.) gemeinsam mit Frank Thiel und weiteren Akteuren von „Baltic Shooters“ (u.a. Jürgen B., Christian S.-B.) organisierte sogenannte „Special Forces Workshop“ (SFW) statt. Die Idee für den 1. SFW, der fortan als Fortbildungsmaßnahme, Leistungsvergleich und zugleich als „Waffenschau“ verschiedener nationaler wie internationaler Waffenhersteller und Ausrüstungsfirmen diente, war im Jahr 2008 während einer Fortbildungsveranstaltung des Sondereinsatzkommandos (SEK) M.-V. unter der Anleitung von Baltic Shooters entstanden.
Der SFW wurde zum beliebten Anlaufpunkt hauptsächlich für Fortbilder aus dem polizeilichen und militärischen Spezialkräftebereich aus In- und Ausland. So nahmen neben den SEKs und Mobilen Einsatzkommandos (MEKs) verschiedener Polizeien von Bund (BKA, Zollkriminalamt ZKA) und Ländern, auch Vertreter von Spezialeinheiten aus Österreich (Cobra), Luxembourg (USP), der Schweiz (Interventionseinheit Skorpion Zürich), Polen, Tschechien, Monaco und gelegentlich sogar SWAT Teams aus den USA (2010 mit Teilnehmenden aus Oklahoma und Kansas) teil. Vermutlich nicht zuletzt, weil Firmen wie SIG Sauer (2018 war Geschäftsführer Franz von Stauffenberg selber anwesend), GLOCK, Benelli, Schmeisser, Swiss Exe International, 5.11 Tactical, Ritter & Stark, MEN Defence Tec und seit 2017 auch Heckler & Koch als Aussteller auftraten sowie teilweise auch Personal zur Durchführung der Workshops abstellten (darunter mit „Ausbilderlegende“ Hermann „Rosi“ Rosenberg ein langjähriger KSK Soldat und ehemaliger Scharfschützenausbilder, zuletzt Reservist beim Fallschirmjägerregiment 31 in Seedorf), konnte mit Lorenz Caffier ein prominenter Schirmherr für die Veranstaltung gewonnen werden.

via aib: Nordkreuz – Leerstellen der offiziellen Erzählung

Leave a Comment