Eine Stimme der Volksgemeinschaft

Es gibt Trottel und es gibt intelligente Menschen. Natürlich etliche Zwischenstufen. Zu den intelligenten Menschen habe ich mal den Chemnitzer Künstler und Hemdendesigner Gregor Torsten Kozik gezählt. Vor drei Jahren musste ich dann eine andere Erfahrung machen. Obwohl er mit einer dunkelhäutigen Venezolanerin verheiratet war (dass sie gestorben ist, habe ich erst später erfahren), hat er sich nach Rechtsaußen begeben. Pegida und Pro Chemnitz, vom sächsischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingeordnet, gehören zu seinen politischen Favoriten. Noch etwas mehr überrascht war ich heute am Morgen, als ich von Prof. Ines Bruhn auf Facebook einen Post sah, den ich nicht glauben konnte. Ich trank erst mal noch einen Kaffee, schaute noch einmal hin. Tatsächlich. Sie postet ein Bild aus dem NS-Regime, eine Frau mit dem Schild um den Hals „Ich bin aus der Volksgemeinschaft ausgestoßen“, auf einem öffentlichen Platz an den Pranger gestellt. „Für alle, die 3G, 2G oder 1G gut finden“, schreibt Bruhn dazu. Volksgemeinschaft. Aha. Bruhn ist offenbar aktive Impfverweigerin und fühlt sich deshalb aus der „Volksgemeinschaft“ ausgestoßen. (…) Wie widerlich ich diese Propaganda finde. Da es Widerspruch gegen ihre Entgleisung gab, hat sie das originale Foto durch ein Clownsbild ausgetauscht. Nun versteht keiner mehr, was denn die Kommentare eigentlich meinen. Und weil ich ihr den NS-Sprachgebrauch der „Volksgemeinschaft“ vorwerfe, antwortet sie, dass ja Politiker von der „Endlösung“ gegenüber Ungeimpften sprechen würden. Dieser Fake gegenüber dem CDU-Politiker Erwin Rüddel wurde schon lange widerlegt. Aber wenn man erst mal rechts außen angekommen ist, kommt es dann eben auf Fakten schon lange nicht mehr an.

via jens kassner: Eine Stimme der Volksgemeinschaft

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